VORSCHAU


1. Dezember 2022 bis 29. Mai 2023

Evarist Adam Weber (1887–1968) wiederentdeckt!
Zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit,
zwischen freier und angewandter Kunst

Er wurde in Aachen geboren, 1887, im gleichen Jahr wie August Macke. Und beide sollen sich als Kommilitonen während ihres Studiums an der Düsseldorfer Kunstakademie begegnet sein. Beide verbindet auch ihr Interesse für angewandte Kunst. Doch ansonsten verliefen ihre Lebenswege sehr unterschiedlich. Und während August Macke auch durch das Engagement seiner Familie nach seinem Tod berühmt wurde, geriet Weber in Vergessenheit und gehört zur sogenannten verschollenen Generation. 

Noch während des Studiums reist Weber nach Belgien und Paris, setzt sich mit Impressionismus und Neo-Impressionismus auseinander, verfestig seine Bilder jedoch wieder unter dem Einfluss von Cézanne. Mit seinen ausdrucksstarken Druckgrafiken gehört er nach dem Ersten Weltkrieg zur expressionistischen Aufbruchsbewegung und wird 1919 Mitglied in der berühmten Vereinigung Das Junge Rheinland. Auch auf den Ausstellungen der Münchener Neuen Secession ist er präsent sowie auf zahlreichen Ausstellungen in ganz Deutschland und Österreich. Seine Ölgemälde zeigen in den 1920er-Jahren eine außergewöhnlich lebendige Bildgestaltung durch interessante Blickwinkel und eng gesetzte Bildausschnitte. Viele Motive beziehen sich auf die zahlreichen Reisen, die der Künstler in die Schweiz, nach Südfrankreich und Italien unternimmt. Auch in Deutschland ist er unterwegs und zwar auf seinem eigenen Motorrad. Schon früh fährt er eine belgische FN, dann eine BMW-R16. Er ist sportbegeistert, liebt die Berge und gilt Ende der 1920er-Jahre als außergewöhnlicher Sportmaler. Er setzt nicht nur Motorrad- und Autorennen sowie die nordische Sportart Skijöring in Gemälde und Zeichnungen um, sondern fertigt zudem auch Plaketten für Rennen an.

Ausgangspunkt all seiner Aktionen ist München und Umgebung, wohin er 1910 übergesiedelt ist. Ab 1931 tritt die freie Malerei zunehmend in den Hintergrund. Weber ist nun vor allem kunsthandwerklich tätig und führt zusammen mit seiner Frau die Kunsthandwerklichen Werkstätten Weber-Heubach, Ebenhausen. Hier entstehen hochkarätige Produkte von Batik-Schals und -Wandbehängen über Taschen aus Leder und Filz bis hin zu geritzten Glasobjekten.

Diesen spannenden Künstler und sein Werk möchten wir Ihnen vorstellen. Einige Holzschnitte von ihm haben wir bereits in vergangenen thematischen Ausstellungen gezeigt, im Das (verlorene) Paradies und Gratwanderung

Nun gilt es Wissenslücken zu schließen und den Verbleib vor allem der Gemälde Webers aus den 1920er Jahren zu klären. Dabei bitten wir Sie um Ihre Unterstützung! Bitte kontaktieren Sie uns, wenn Sie mehr über Evarist Adam Weber wissen, Ihnen seine Werke begegnet sind. Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung.

Evarist Adam Weber: Ausfahrt, um 1922/25
Öl auf Leinwand, 52,5 x 65,2 cm
Evarist Adam Weber Archiv
© Kunsthaus Lempertz / Foto: Sascha Fuis Photographie, Köln