WOHN- UND ATELIERHAUS

GESCHICHTE DES AUGUST MACKE HAUSES

Das August Macke Haus in Bonn ist das ehemalige Wohn- und Atelierhaus von August Macke, der zu den bedeutendsten und beliebtesten deutschen Künstlern des frühen 20. Jahrhunderts zählt. Von Anfang 1911 bis August 1914 lebte er hier mit seiner Familie und verbrachte seine wichtigsten Schaffensjahre.

Seit der Übersiedlung der Familie Macke nach Bonn im Jahre 1900 war die rheinische Stadt Lebensmittelpunkt von August Macke. Als 16-jähriger Schüler lernte er hier 1903 die 15-jährige Elisabeth Gerhardt kennen, sein „zweites Ich“ und spätere Ehefrau, und entwickelte sich zu dem Künstler als den man ihn weithin kennt. Als das junge Paar mit dem kleinen Sohn Walter im Herbst 1910 nach einem einjährigen Aufenthalt in Tegernsee nach Bonn zurückkam, stellte Elisabeths Familie ihnen das kleine spätklassizistische Haus an der Bornheimer Straße/Ecke Hochstadenring als neues Domizil zur Verfügung. Das damals noch in der ländlich geprägten Peripherie Bonns auf dem Gelände ihrer Firma liegende Haus hatten die Gerhardts 1884 mit Grundstück von dem Bauern Heinrich Wolff erworben, der es sich dort 1877/78 mit Scheune und Stallungen hatte errichten lassen.

Das Haus umfasst drei Stockwerke, einen Keller sowie ein Dachgeschoss, das im Winter 1910/11 nach Mackes Plänen zu einem lichten Atelier ausgebaut wurde. Dazu wurde das Dach an der zum Garten gelegenen Seite auf Giebelhöhe angehoben, ein Mansardendach mit abgewalmtem Zerchhaus errichtet und große Fenster an den Seiten und als Oberlicht eingefügt, so dass ein gut 40 qm großer, leicht verwinkelter Raum mit optimalen Lichtverhältnissen entstand. August Macke malte hier zahlreiche seiner bekanntesten Gemälde, darunter viele Bilder, die den Blick aus den Fenstern auf die unmittelbare Umgebung festhielten. Zudem fertigte er hier plastische Arbeiten und kunstgewerbliche Entwürfe. Gemeinsam mit seinem Freund Franz Marc malte er im Herbst 1912 das 4 x 2 Meter messende programmatische Bild Paradies auf eine Wand im Atelier.

Offen und gastfreundlich wurde das Haus von August Macke und seiner Frau Elisabeth geführt. Es war Treffpunkt der jungen rheinischen Kunstszene und Ausgangspunkt für Mackes unentwegte kunstpolitische Aktivitäten, die ihn zu einem der wichtigsten Protagonisten des Expressionismus werden ließen. 

August Macke & Franz Marc
Wandbild Paradies, 1912
Öl auf Wandverputz, 398 x 181 cm
Original seit 1981 im LWL Museum für Kunst und Kultur

Walter Gerhardt, Wolfgang und Helmut Macke, Walter Macke mit Lothar Erdmann und Elisabeth Erdmann Macke im Atelier, um 1918

1915–1980
Nach dem frühen Tod August Mackes im Ersten Weltkrieg lebte Elisabeth in dem Haus mit ihrem zweiten Ehemann Lothar Erdmann, einem der engsten Freunde von August Macke, und den Kindern bis zum berufsbedingten Umzug der Familie 1925 nach Berlin. Bis auf das Atelier wurde das Haus vermietet. In den 1930er Jahren wohnte darin zeitweilig Mackes jüngerer Sohn Wolfgang während seines Studiums.

Mittlerweile zum zweiten Mal verwitwet, kehrte Elisabeth 1948 nach dem Zweiten Weltkrieg in das zu einer winzigen Wohnung umgebaute ehemalige Atelier zurück. Nach ihrem Tod 1978 wurde das Haus verkauft und das Wandbild von Macke und Marc ins LWL-Museum für Kunst und Kultur nach Münster verbracht. 

Rettung in den 1980er Jahren
Es ist ausschließlich bürgerschaftlichem Engagement zu verdanken, dass das Haus in den 1980er Jahren nicht in eine Gaststätte umgebaut wurde, sondern im Zuge einer aufsehenerregenden Rettungsaktion vor der Entkernung bewahrt werden konnte. Mit Hilfe des Landes Nordrhein-Westfalen und eines privaten Förderers konnte die Stadt Bonn es im Juni 1989 ohne finanzielle Eigenbeteiligung erwerben.

Nachdem das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt und das Atelier in seinen originalen Zustand zurückversetzt worden war, wurde das Haus 1991 für Besucher geöffnet. Auf engstem Raum war hier die gesamte Infrastruktur eines Museums untergebracht. Über achtzig Sonderausstellungen zu August Macke und seinem künstlerischen Umfeld, vor allem zum Themenkreis des rheinischen Expressionismus, festigten den Ruf des kleinen Museums, betrieben vom gemeinnützigen Verein August Macke Haus und seit 1994 getragen von der Stiftung August Macke Haus der Sparkasse in Bonn.

Empfangsbereich nach der ersten Sanierung des August Macke Hauses, 2011

Vision des neuen Museumskomplex mit modernem Erweiterungsbau im Modell.

Neuausrichtung in den 2000er Jahren
Wünsche und Ansprüche von Besuchern wie öffentlichen und privaten Leihgebern erforderten schließlich eine Neukonzeption. Eine bauliche Erweiterung rückte in den Fokus und konnte 2004 nach dem Erwerb des Nachbargrundstücks in die Realisierungsphase eintreten. Die Planungen erfolgten mit dem Ziel, das ehemalige Wohn- und Atelierhaus künftig ausschließlich dem Leben und Werk von August Macke zu widmen und es barrierefrei zu erschließen. Alle anderen Funktionen sollten in einen modernen, den musealen Standards entsprechenden Anbau verlegt werden.

Im Zuge der geplanten Maßnahmen wurde zunächst 2010/11 das Künstlerhaus umfassend saniert und räumlich umorganisiert. Zwischen 2015–2017 erhielt es schließlich einen großzügigen modernen Erweiterungsbau, der von dem Bonner Architekten Karl-Heinz Schommer entworfen und von dem Architekturbüro KKW Lüdenscheid ausgeführt wurde.

Die Finanzierung des ambitionierten Unterfangens konnte mit maßgeblicher Unterstützung der Bundesrepublik Deutschland sowie des Landes Nordrhein-Westfalen, der Nordrhein-Westfalen-Stiftung, des Landschaftsverbandes Rheinland und zahlreicher privater Förderer sowie insbesondere durch das unermüdliche Engagement des ehemaligen Vizekanzlers und Außenministers der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Guido Westerwelle, gesichert werden. Am 22. Juni 2015 erfolgte der erste Spatenstich. Im Herbst 2017 wurden die Baumaßnahmen abgeschlossen und das erweiterte Haus als Museum August Macke Haus am 3. Dezember eröffnet.

Museum August Macke Haus
Unmittelbar an August Mackes ehemaligem Wohn- und Atelierhaus schließt sich seither ein gut dreimal so großer funktionaler Baukörper mit einer eigenen Etage an, die ausschließlich Sonderausstellungen vorbehalten ist. Depots und Verwaltungsräume sowie das Archiv mit einer Sammlung von Autografen ermöglichen eine sorgsame Museumsarbeit. Veranstaltungsflächen und ein museumspädagogisches Atelier, eine Bibliothek, der Empfang und Shop bieten den Besuchenden eine gute Infrastruktur, ergänzt durch ein Museumscafé, eine Dachterrasse und einen idyllischen Garten zwischen Künstlerhaus und modernem Anbau, der durch eine freistehende hohe Glasfassade gegen die Straße abgeschottet ist.

In den 14 intimen Räumen des Wohn- und Atelierhauses wurde eine von Dr. Ina Ewers-Schultz konzipierte und vom Bielefelder Designbüro Arndt & Seelig gestaltete multimediale und interaktive Dauerausstellung mit zahlreichen Originalwerken zu August Macke eingerichtet.

Blick in den neuen Sonderausstellungsraum des Museums August Macke Haus