Sonderausstellung


Eine Künstlerpaar der Moderne
Emil Maetzel & Dorothea Maetzel-Johannsen

23. November 2018 – 24. März 2019 


Emil Maetzel (1877–1955) und Dorothea Maetzel Johannsen (1886–1930) sind wichtige Vertreter der künstlerischen Avantgarde in Hamburg, als in den ersten Jahren der Weimarer Republik ein Ruck der Erneuerung durch die deutsche Gesellschaft geht. Die Stadt erlebt 1919 mit Gründung der Hamburgischen Sezession eine zweite, wichtige Phase des Expressionismus, an der das Malerpaar Maetzel einen entscheidenden Anteil hat. 


Emil Maetzel ist gelernter Architekt und als Maler Autodidakt. Dorothea Maetzel-Johannsen besuchte zwar eine Zeichenschule, verfügt als Künstlerin aber ebenso wenig über eine professionelle Ausbildung. Berlin, wo Emil Maetzel während des Ersten Weltkrieges stationiert ist, bietet ihnen wichtige Anregungen, wie den Besuch von Ausstellungen der Berliner Sezession oder Herwarth Waldens Galerie „Der Sturm”. Ein entscheidendes Erlebnis für beide wird die Entdeckung afrikanischer Kunst, die sie selbst zu sammeln beginnen und deren Figuren sie in ihre Bilder integrieren.

Emil Maetzel, Porträt Dorothea Maetzel-Johannsen, 1915, Holzschnitt, Sammlung Tobeler (Foto: Michael Hensel)
Dorothea Maetzel Johannsen, Emil Maetzel mit Pelzmütze, um 1914, Linolschnitt, Sammlung Tobeler (Foto: Michael Hensel)
Emil Maetzel, Badende am Waldsee, 1915, Linolschnitt koloriert, Sammlung Hamburger Sparkasse im Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg (Foto: Hans-Peter Zahn)

In die Jahre von 1919 bis 1923 fallen auch die ersten Hamburger Künstlerfeste, die ein Feuerwerk rasanter Revuen von Tänzern, Sängern, Schauspieler abbrennen und als Ventil eines freizügigeren Miteinanders fungieren. Hier treffen sich bei den Feierlichkeiten Bürgertum und künstlerische Bohème. Die immer wieder exotischen Ausstattungen und Kostüme unterliegen der Phantasie der Künstler, unter denen Emil Maetzel als Maler herausragt. Die Freiheit der Kunst findet in der Befreiung des Lebens aus tradierten Moralvorstellungen ihren kongenialen Ausdruck.

Künstlerisch leben sich die Maetzels in den 1920er Jahren auseinander. Mit Reisen nach Paris (1925) und Gotland (1929) unterstreicht Dorothea Maetzel-Johannsen ihre zunehmende Eigenständigkeit, bevor sie 1930 im Alter von nur 44 Jahren an Herzschwäche stirbt. Emil überlebt sie um 25 Jahre. 1933 wird er von den Nationalsozialisten aus dem Staatsdienst entlassen. Er verlebt in seinem Haus in Volksdorf einsame Jahre, die er zu Maltouren in Norddeutschland zu nutzen weiß. Nach 1945 setzt bei ihm eine neue produktive Phase ein, in der ein umfangreiches Werk entsteht.

Dorothea Maetzel-Johannsen, Das kranke Mädchen, 1919, Öl auf Leinwand, Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf, Dauerleihgabe aus Privatbesitz (Foto: Sammlung Maetzel-Erben)
Dorothea Maetzel-Johannsen, Der rote Mond, um 1920, Öl auf Holz, Sammlung Tobeler (Foto: Michael Hensel)
Emil Maetzel. Afrikanisches Stillleben mit Benin-Tierplastik und Flasche, 1922, Öl auf Malpappe, Sammlung Tobeler (Foto: Michael Hensel)

Mit über 150 Gemälden, Plastiken, graphischen Arbeiten und Fotoaufnahmen ermöglicht die 2017 vom Kunstmuseum Stade erarbeitete und erstmals gezeigte Ausstellung den bislang umfassendsten Einblick in das Werk des Künstlerpaares und in ein bedeutsames Kapitel des Hamburger Expressionismus. Sie basiert auf dem Bestand des Hamburger Sammlers Tim Tobeler, der seit Jahren das Werk von Emil Maetzel und Dorothea Maetzel-Johansen erforscht und neben dem Nachlass der Familie Maetzel heute über den größten Werkkomplex des Künstlerpaars verfügt. Im Museum August Macke Haus wurde die Schau um weitere wichtige Leihgaben aus öffentlichem und privatem Besitz sowie aus dem Nachlass der Familie Maetzel ergänzt.

Dorothea Maetzel-Johannsen, Frauen am Tisch, 1920, Öl auf Malkarton, Privatbesitz (Foto: Ketter-Kunst, München)
Emil Maetzel, Sitzende, sinnende Frau, um 1926, Steinguss, Sammlung Tobeler (Foto: Michael Hensel)
Dorothea Maetzel-Johannsen, Überredung, 1919, Öl auf Rupfen, Sammlung Tim Tobeler (Foto: Michael Hensel)

Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog 
zum Preis von 25,00 Euro an der Museumskasse.

Förderer der Ausstellung: