Sonderausstellung


Mit Stich und Faden 
Expressionistische und zeitgenössische
Kunst im Gegenüber

6. März 2020 – 1. November 2020 


Auf Basis der zahlreichen Stickarbeiten, die Elisabeth Macke, ihre Mutter Sophie Gerhardt und ihre Großmutter Katharina Koehler nach Entwürfen von August Macke ausführten, untersucht die Ausstellung erstmals das Phänomen des Stickens innerhalb der Kunst der Expressionismus. Ausgesuchte Objekte dieser Epoche treffen auf signifikante Positionen zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler, die sich diesem besonderen Medium in ihrem künstlerischen Schaffen verschrieben haben.


Expressionisten wie August Macke aus dem Umkreis des Blauen Reiters oder Ernst Ludwig Kirchner entwarfen Stickereien, um ihre Malerei in den Raum und damit in den Alltag zu überführen – je nach Verwendungszweck variierte der gewählte Stickstich. In den gestickten Gebrauchsobjekten verbinden sich Kunst und Leben. In revolutionärer Weise sprengten sie dabei die Grenzen zwischen freier und angewandter Kunst. Christian Rohlfs, Fifi Kreutzer und Marta Worringer gestalteten Stick-Bilder, die wie ein Gemälde im Rahmen an der Wand hingen und in aufwändiger Nadelmalerei ausgeführt sind.

August Macke / Elisabeth Macke: Abstraktes Muster III, 1913/14, Kissenplatte, Wollgarn auf Stramin, Museum August Macke Haus © Foto: Günter Weber, Bonn
Ernst Ludwig Kirchner / Erna Kirchner: Figurenreiche Szenen aus dem Leben – Tänzer und Tänzerinnen, um 1914/1920, Tischdecke, Stramin, bunte Wolle, Badisches Landesmuseum Karlsruhe © Foto: Thomas Goldschmidt
Franz Marc / Maria Marc: Landschaft mit Pferden und Regenbogen (Ausschnitt), um 1914/15, Seiden- und Wollgarn auf Leinen, Privatbesitz © Foto: David Ertl

Was aber fasziniert Künstlerinnen und Künstler heute an der uralten, zeitaufwändigen Technik? Längst geht es nicht mehr um Grenzüberschreitungen. Vielmehr wird Stickerei als dezidiert künstlerisches Ausdrucksmittel verstanden, in dem sich allerdings Tradition und Gegenwart auf besondere Weise berühren.

Mit Stich und Faden können winzig kleine Kunstwerke oder auch ganze Rauminstallationen entstehen. Der Umgang mit dem Material weist eine ebenso große Bandbreite auf wie der inhaltliche Radius. Biographische, gesellschaftspolitische und konzeptionelle Ansätze finden auf unterschiedliche Weise ihre Umsetzung. Optische, haptische und taktile Wirkungen spielen eine herausragende Rolle, wobei der lange Faden das Kunstwerk in den Raum hinein erweitert. Neue Bildträger werden ausprobiert und das Durchstechen dabei auch als potentiell aggressiver Akt wahrgenommen. Und manchmal entstehen in einem Arbeitsprozess gleichzeitig zwei Kunstwerke, wenn beide Bildseiten als eigenständig aufgefasst sind und ihre Gestaltung von vorn herein mitgedacht ist. 

Claudia Kallscheuer: „Für Maria”, 2018, 
Sessel, Stickerei, Faden, courtesy of the artist + Mianki Gallery © Foto: Peter Hinschläger, Aachen
Walter Bruno Brix: Eiervogel, 2010/11, Applikationsstickerei auf Stoff, courtesy of the artist © Museum August Macke Haus / Foto: David Ertl
Alexandra Knie: Aus der Serie Weltallviren, 2019/20, Maschinenstickerei in Plexiglasrohr, courtesy of the artist © Foto: Alexandra Knie

Expressionistische Arbeiten von Wassily Kandinsky, Ernst Ludwig Kirchner, Fifi Kreutzer, August Macke, Franz Marc, Gabriele Münter, Christian Rohlfs und Marta Worringer treffen auf zeitgenössische Positionen von Robert Abts, Walter Bruno Brix, Jochen Flinzer, Angelika Frommherz, Sylvie Hauptvogel, Claudia Kallscheuer, Gisoo Kim, Alexandra Knie, Suscha Korte, Bea Meyer, Vanessa Oppenhoff, Barbara Wrede, Andrea Ziegler. 

Der Katalog zur Ausstellung ist an der Museumskasse erhältlich.
Kuratorin der Ausstellung: Dr. Ina Ewers-Schultz

Link zum WDR-Beitrag vom 6. März 2020

Wassily Kandinsky / Gabriele Münter: Dame im Reifrock, 1905, Nähtäschchen mit Perlenstickerei, Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München © VG-Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Simone Gänsheimer, Ernst Jank, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Gisoo Kim: Aus der Serie Lines and Space, 2019, Faden auf Foto-Collage, courtesy of the artist © VG-Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Gisoo Kim
Vanessa Oppenhoff: The thorough civilian, 2016, Faden, Vellum, Acryl, Zeitungspapier und Gouache, Privatbesitz, courtesy of the artist + Galerie Martina Kaiser © Foto: Michael Klein

Wir danken den Förderern der Ausstellung