Sonderausstellung


August Macke, 
Orpheus mit den Tieren, Entwurf um 1912/13
, Stickerei von Sophie Gerhardt & Katharina Koehler, vor 1917, 
Museum August Macke Haus, Bonn © Foto: David Ertl

ORPHEUS
Traum und Mythos in
der modernen Kunst

11. Oktober 2019 – 16. Februar 2020 


Was für eine Künstlergestalt: mythischer Sänger und Dichter mit der Gabe, Menschen und Tiere, selbst Bäume und Felsen, in verzücktes Lauschen zu versetzen. Was für ein Liebender: in seiner unermesslichen Trauer um Eurydike ging er in die Unterwelt, erweichte mit seinem Gesang die Götter und durfte seine Geliebte aus dem Totenreich herausführen.

Doch entgegen dem Verbot drehte er sich dabei zu ihr um und verlor Eurydike endgültig. Zuletzt ein Märtyrer: nach dem tragischen Verlust wandte er sich gänzlich von den Frauen ab, worauf ihn die Mänaden in Stücke rissen. Sein weiter singendes Haupt wurde auf Lesbos bestattet und begründete die Orphischen Mysterien.


Kaum ein Stoff hat Kunstschaffende so vielfältig emotional berührt und zu individuellen Darstellungen angeregt wie dieser Mythos, der Glück, Trauer, Tod und grausames Schicksal ebenso in sich birgt wie Zweifel und Kühnheit künstlerischer Inspiration. Orpheus faszinierte Kunstschaffende aller Sparten und Zeiten, so dass er zum Prototyp des Musikers und Künstlers schlechthin wurde.

Das Museum August Macke Haus feiert Orpheus mit einer Ausstellung aus Anlass des 250. Geburtstages von Ludwig van Beethoven, der wie August Macke seine Jugendjahre in Bonn verbrachte. Sie entfaltet die künstlerische Verarbeitung des Mythenstoffes in einem spannungsvollen Wechsel internationaler Positionen seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bis in die heutige Zeit. Von symbolhaften Verdichtungen in Gemälden und Skulpturen über graphische Folgen bis hin zu Bühnenentwürfen und kunsthandwerklichen Arbeiten enthält die Schau alle Spielarten künstlerischer Gestaltung. 

Odilon Redon
, Tête d’Orphée sur la lyre, nach 1866, 
 Paris, Musée d’Orsay, 
legs de Mme Arï Redon, 1984
 © bpk / RMN – Grand Palais / 
Mathieu Rabeau
Franz von Stuck, Orpheus und die Tiere, um 1924
, Museum Villa Stuck, München, Dauerleihgabe der Linde-AG © Foto: Nikolaus Steglich
Hans Thoma
, Orpheus in südlicher 
Landschaft, vor Hirten und 
Tieren zur Leier singend, 1891, 
Staatsgalerie Stuttgart
 © bpk / Staatsgalerie Stuttgart

Ausgangspunkt ist eine von August Macke um 1912/13 entworfene Stickerei mit der Darstellung des Orpheus mit den Tieren. Das Sujet beschäftigte ihn schon früh, und obwohl er sich nur selten mythologischen Themen zuwandte, führt dieses ihn ins Zentrum seiner künstlerischen Vorstellungen: auf die Suche nach einer harmonischen, arkadischen, von der Schönheit des Lebens kündenden Kunst. Von hier aus spannt die Ausstellung den Bogen vom Symbolismus, in dem August Mackes künstlerische Anfänge wurzeln, bis in die Gegenwartskunst und breitet das vielseitige thematische Spektrum der Orpheus-Darstellungen aus.

Jean Cocteau, 
Orpheus, 1950, 
Privatsammlung Helmut Nüske 
& Wolfgang Werth, Kempen
 © VG Bild-Kunst, Bonn 2019 / 
Foto: Günter Weber
Pablo Picasso
, Eurydike wird von einer 
Schlange gebissen, 1930
, Die Sammlung Classen 
im Kunstmuseum Pablo 
Picasso Münster 
© VG Bild-Kunst, Bonn 2019 / Foto: Hanna Neander
Markus Lüpertz
, Orpheus mit Lyra, 1995
, Sammlung Andreas C. H. Schell, Karlsruhe
 © VG Bild-Kunst, Bonn 2919 / 
Foto: Stefan H. Schell

Neben den Werken von August Macke werden rund 100 Arbeiten u. a. von Horst Antes, Eugen Batz, Max Beckmann, Jean Cocteau, Lovis Corinth, Nathalie David / Anita Rée, Raoul Dufy / Guillaume Apollinaire, Willi Geiger, Werner Gilles, Oskar Kokoschka, Alfred Kubin, Markus Lüpertz, Gerhard Marcks, Pablo Picasso, Odilon Redon, Ker-Xavier Roussel, Franz von Stuck, Hans Thoma, Hans Wildermann, Ossip Zadkine, Mac Zimmermann gezeigt. 

Es erscheint ein reich bebilderter Katalog, u. a. mit einem Beitrag der Autorin und Moderatorin Elke Heidenreich über den Orpheus-Mythos und seine Entfaltung in der Musik.

Kuratorin: Dr. Gesa Bartholomeyczik

August Macke
, Kleiner Zoologischer Garten in Braun und Gelb, 1912
, 
Museum Frieder Burda, Baden-Baden 
© Foto: Archiv Museum Frieder Burda
Eugen Batz, 
Orpheus, 1948
, 
Nachlass Eugen Batz, 
Sparda-Bank West 
© VG Bild-Kunst, Bonn 2019 / Foto: Stiftung Sparda-Bank West
Melchior Lechter, Orpheus, Vorstudie, 1896, LWL-Museum für Kunst und Kultur, Westfälisches Landesmuseum, Münster © Foto: Hanna Neander