Rückschau


Von August Macke bis Otto Dix
Bildnisse vom Expressionismus bis zur Neuen Sachlichkeit aus den Sammlungen Frank Brabant und August Macke Haus
Ausstellungsdauer: 14. Mai – 25. Oktober 2015

Das Bildnis als eines der wichtigsten Themen in der Kunst, erfuhr in seiner Auffassung besonders in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts gravierende Veränderungen. Hatte es seit der Renaissance vornehmlich die Aufgabe, den Dargestellten so naturgetreu wie möglich wiederzugeben, so befreite es der Expressionismus radikal aus dem Dienst der Illusion und stellte das Allgemeine über das Individuelle. Nicht länger galt es in erster Linie den Menschen darzustellen, sondern vielmehr seine psychische Verfasstheit. Das Bildnis definierte sich aus der Tiefe des Unbewussten und wurde – als Gegenpol zur Fotografie – Spiegel und Ausdruck inneren Befindens.

Mit dem Ersten Weltkrieg wich der ekstatische Rausch expressionistischer Farben und Formen einer neuen figurativen, nüchternen, kühl distanzierten und zeichnerisch klaren Darstellungsweise, die – gemeinhin als Neue Sachlichkeit bezeichnet – der Realität ohne Sentimentalität und mit bisweilen bissiger Ironie und Sozialkritik ins Gesicht schaut.

Rund 50 Werke, hauptsächlich Gemälde, von fast vierzig Künstlerinnen und Künstlern, darunter Otto Dix, Conrad Felixmüller, Walter Gramatté, Erich Heckel, Karl Hofer, Alexej von Jawlensky, Ernst Ludwig Kirchner, Elfriede Lohse-Wächtler, August Macke, Marie von Malachowski, Ludwig Meidner, Emil Nolde, Greta Overbeck-Schenk, Hermann Max Pechstein, Christian Schad, Josef Scharl, Georg Scholz und Georg Tappert, vergegenwärtigen die unterschiedlichen Bildnisauffassungen der beiden aufeinander folgenden Stilrichtungen und verdeutlichen, dass diese nicht nur sehr vielfältig waren, sondern durchaus auch Kontinuität besaßen. 

Neben Arbeiten aus dem Bestand des August Macke Hauses stammen die Exponate vor allem aus dem Besitz des Wiesbadener Kunstsammlers Frank Brabant, der mit untrüglichem Gespür für künstlerische Qualität seit 1963 eine der umfangreichsten deutschen Privatkollektionen zusammengetragen hat. Im Schwerpunkt umfasst sie Gemälde und grafische Arbeiten des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit sowohl von namhaften Künstlern als auch von Vertretern der so genannten „Verschollenen Generation”, die während des Ersten Weltkrieges heranreifte, aber kaum Chancen hatte, sich künstlerisch durchzusetzen.

Die ausgestellten Werke erlauben es, bekannte Positionen im zeitgenössischen künstlerischen Umfeld in neuer Weise zu erschließen und bislang nahezu unbekannte Künstler von ausgezeichneter Qualität zu entdecken.


August Macke und Freunde
Begegnung in Bildwelten
Ausstellungsdauer: 3. Dezember 2017 bis 4. März 2018

Mit der Schau »August Macke und Freunde – Begegnung in Bildwelten« eröffnet das Museum August Macke Haus 
seine neuen Ausstellungsräume. Zugleich wird damit an den 130. Geburtstag des bedeutenden Expressionisten erinnert, der innerhalb der Avantgarde vor dem Ersten Weltkrieg eine herausragende Stellung einnahm. Die Ausstellung versteht sich zudem als temporäre Ergänzung zu der neu eingerichteten Dauerausstellung im ehemaligen Wohn- und Atelierhaus des Künstlers, das den Kern des Museums bildet.

Anhand von zentralen Bildthemen werden signifikante Werke in der Chronologie ihres Erscheinens im Œuvre des Künstlers präsentiert, und zwar erstmals im Kontext des befruchtenden Austausches mit den künstlerischen Weggefährten und -gefährtinnen. Dieser Dialog zeigt zugleich die unterschiedlichen künstlerischen Kontakte, Netzwerke und Freundeskreise auf, innerhalb derer sich August Macke bewegte und binnen weniger Jahre ein außerordentliches Werk schuf. Ähnlichkeiten sowie unterschiedliche Gewichtungen und Vorstellungen werden durch die thematischen Gegenüberstellungen beleuchtet.

Ausgangspunkt ist der Themenkreis Theater – Zirkus – Varieté, der auf Mackes Tätigkeit am Düsseldorfer Schauspielhaus während seiner Studienzeit zurückzuführen ist. Stillleben und Interieur-Darstellungen, mit denen sich Macke und seine künstlerischen Weggefährten um den späteren Blauen Reiter intensiv befassten, erweisen sich als Experimentierfelder neuer Ideen. Eng verknüpft mit der eigenen Lebenssituation sind die Darstellungen von spielenden Kindern und die Einbeziehung von Kinderspielzeug – ein bislang wenig berücksichtigter Aspekt der Kunstgeschichte. Mit seiner Rückkehr ins Rheinland und dem Bezug seines Wohn- und Atelierhauses rückte 1911 die Beschäftigung mit der unmittelbaren und weiteren häuslichen Umgebung in den Fokus August Mackes und der Rheinischen Expressionisten, die er 1913 in Bonn formierte.

Die Auffassung von Natur als Inbegriff von Vitalität, Daseinsfreude und Ursprünglichkeit spiegelt sich in den zahlreichen Darstellungen von Akten (Badenden), Tieren und Spaziergängern – nicht nur bei Macke. Die malerischen Interpretationen seiner Lebenswelt als irdisches Paradies heben sich dabei als singulär von den Bildwelten der Künstlerfreunde ab. Die künstlerische Wende, die Mackes Besuch bei Robert Delaunay im Sommer 1912 einleitete und die sich schließlich während seines Aufenthaltes am Thunersee 1913 und während der Tunisreise 1914 vollzog, führte Macke über eine intensive Beschäftigung mit den Komplementärkontrasten der Farben zu einer verstärkten Reduktion und Abstraktion des Gegenständlichen. Die Erfindung einer autonomen Bildsprache ist in unterschiedlicher Ausprägung auch für Mackes Künstlerfreunde kennzeichnend und zugleich Ausdruck der radikalen Neudefinition des Bildes.

Die Ausstellung vereint rund 150 Werke von August Macke sowie u. a. von Heinrich Campendonk, Claus Cito, Robert Delaunay, Max Ernst, Alexej Jawlensky, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Ernst Ludwig Kirchner, Helmuth Macke, Walter Macke, Franz und Maria Marc, Carlo Mense, Marie von Malachowski-Nauen, Louis Moilliet, Gabriele Münter, Heinrich Nauen, Paul A. Seehaus, Hans Thuar und Marianne von Werefkin. Zur Ausstellung erscheint ein umfangreich bebilderter Katalog zum Preis von 25,00 € an der Museumskasse.