August Macke


August Macke, 1905

August Macke (1887–1914)

August Macke zählt zu den weltweit bedeutendsten Künstlern der klassischen Moderne und den populärsten deutschen Künstlern des 20. Jahrhunderts. Sein in nur wenigen Jahren entstandenes umfangreiches Werk mit nahezu 600 Ölgemälden, ebenso vielen Aquarellen und fast 9.000 Zeichnungen zeichnet sich durch eine einzigartige und unverwechselbare Handschrift aus und gehört zu den größten Leistungen des Expressionismus. 

Zentral und signifikant für August Macke ist die Entfaltung der Farbe und ihrer Leuchtkraft; sein zentrales Motiv ist die Einheit von Mensch und Natur. Kunst begriff er als Gleichnis, als »Gesang von der Schönheit der Dinge«. Helligkeit, Klarheit, Diesseitigkeit und Vertrauen in das Sichtbare sind spezifische Eigenschaften seiner Kunst. Die von ihm tief empfundene Schönheit des Lebens und der Welt übersetzte er in harmonische, paradiesisch anmutende Bildwelten, die seine positive Lebensauffassung und Daseinsfreude vermitteln.


Maria und Franz Marc im Atelier, 1912 © Städtische Galerie im Lenbachhaus München

Seine entscheidenden künstlerischen Entwicklungsjahre hat August Macke in Bonn verbracht, das bereits seit seinem 13. Lebensjahr Lebensmittelpunkt für ihn war. Noch als Schüler begegnete er hier 1903 seiner späteren Frau Elisabeth Gerhardt, mit der ihn zeitlebens eine innige Liebe und tiefe Seelenverwandtschaft verband. Ihre wohlhabende Familie förderte den jungen Künstler auf vielfältige Weise und ermöglichte ihm zahlreiche Reisen, u. a. die für seine künstlerische Entwicklung so maßgeblichen Reisen nach Paris. Sie stellte ihm und seiner Frau schließlich auch 1910 das Wohnhaus in der Bornheimer Straße zur Verfügung, in dem das Dachgeschoss nach Mackes Vorstellungen und Wünschen zu einem lichten Atelier ausgebaut wurde. 

In diesem Atelier entstand von Anfang 1911 bis 1914 der größte und bedeutendste Teil des umfangreichen Œeuvres von August Macke, dessen künstlerische Entwicklung ihn in diesen Jahren an die Spitze der europäischen Avantgarde führte. Darunter befinden sich viele Werke, die enge motivische Bezüge zur Stadt Bonn und zur unmittelbaren Umgebung seines Hauses aufweisen, was auch heute noch mühelos zu erkennen und nachvollziehbar ist.

Zusammen mit Franz Marc, mit dem er seit Anfang 1910 eng befreundet war und der ihn mehrfach in Bonn besuchte, malte Macke hier auch das monumentale ›Paradies‹–Bild direkt auf den Putz einer der Atelier-Wände. Seine programmatische Bedeutung für die neue Kunst vor dem Ersten Weltkrieg wurde in Bonn leider erst erkannt, als man es 1980 aus dem Atelier entfernt und in das Landesmuseum nach Münster überführt hatte. 


Einladungskarte, 1913 © Kunstmuseum Bonn

Von Bonn aus entfaltete August Macke auch seine vielfältigen kunstpolitischen Aktivitäten, die über das Rheinland hinaus nach München, Berlin bis nach Paris wirkten. Mit der von ihm 1913 in Bonn initiierten und organisierten ›Ausstellung Rheinischer Expressionisten‹ gelang es ihm die westdeutsche Avantgarde im Kontext der eng vernetzten expressionistischen Gesamtbewegung zu formieren und ihr ein Etikett zu geben, das sowohl regionale wie auch künstlerische Identität stiftete und das Rheinland endgültig als weiteres Zentrum der jungen expressionistischen Kunst neben Berlin und München etablierte. 

Zudem gehörte er neben Franz Marc und Wassiliy Kandinsky zu den maßgeblichen Mitgliedern des Blauen Reiters und lieferte markante Beiträge zu programmatischen Schriften der progressiven und international orientierten Künstler wie ›Im Kampf um die Moderne Kunst‹ oder den ›Almanach des Blauen Reiters‹. 

August Macke profilierte sich nicht nur im Rheinland als treibende Kraft und wichtigste Integrationsfigur einer jungen, nach neuen bildnerischen Ausdrucksmöglichkeiten suchenden Künstlergeneration, sondern auch als einer der wirkungsvollsten Promotoren moderner Kunst in Deutschland vor dem Ersten Weltkrieg. Maßgeblich war er an der Umsetzung epochaler Kunstereignisse wie der ›Internationalen Sonderbundausstellung‹ in Köln 1912 oder dem ›Ersten Deutschen Herbstsalon‹ 1913 in Berlin beteiligt.


August Macke war eine Persönlichkeit von charismatischer Ausstrahlung. Sein heiteres Temperament, sein Kraft, Lebenslust und Genussfreude ausstrahlendes Naturell beeindruckten Zeitgenossen und Weggefährten tief. Vielen erschien er als Personifizierung des glücklichen Menschen und gelungenen Lebens schlechthin. Ein bemerkenswerter Freundes- und Bekanntenkreis und Verbindungen zu namhaften Vertretern des Kunst-, Kultur- und Geisteslebens im kaiserlichen Deutschland waren Ergebnis seines viel gerühmten Kommunikationstalents und seiner Fähigkeit zu echter, uneigennütziger Freundschaft.

Überfahrt nach Tunesien, 1914