| Eröffnung am 9. Mai 2007, 18.00 Uhr
im August Macke Haus
Konzert:
10. Mai 2007, 20.00 Uhr
im Kammermusiksaal Beethovenhaus Bonn
(Kompositionen von Leonhard Wolff und
Christian Wolff, Uraufführung)
Kurt Wolff (1887-1963) war einer der bedeutenden deutschen Verleger des frühen 20. Jahrhunderts. Seine Publikationsreihe „Der Jüngste Tag“, die jungen Autoren wie Franz Kafka , Gottfried Benn , Franz Werfel , Georg Trakl , Emmy Hennings , Max Brod und vielen anderen ein erstes Forum gab, gilt bis heute als Meilenstein der Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts. Durch geschickte, damals ganz ungewöhnliche Werbemaßnahmen wie Zeitungsanzeigen und Plakate gelangen dem Verlag mit Heinrich Manns „Der Untertan“ und Gustav Meyrinks „Der Golem“ frühe Bestseller. In den zwanziger Jahren konzentrierte sich der Verleger, der großes Geschick in der Auswahl seiner Mitarbeiter bewies, auf Publikationen der bildenden Kunst.
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Josef Scharl
Der Teufel mit den drei goldenen Haaren,
Illustration zu „Grimm's Fairy Tales“ (Grimms Märchen),
Pantheon: New York 1944 |
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Nach seiner Emigration nach New York im April 1941 gründete Wolff, gemeinsam mit seiner zweiten Frau Helen und anderen, den Verlag Pantheon Books, in dem er vor allem deutsche Literatur für den amerikanischen Markt aufbereitete. Grimms Märchen, aber auch Hermann Brochs „Tod des Vergil“ erschienen schon in den vierziger Jahren. Mit Boris Pasternaks „Doktor Schiwago“ und Ann Morrow Lindberghs „Gift from the Sea“ gelangen auch in Amerika riesige Verkaufserfolge. Kurt und Helen Wolff setzten seit den frühen sechziger Jahren das Werk von Günter Grass auf dem amerikanischen Markt durch.
Kurt Wolff
um 1913, fotografiert von Frank Eugene |
Die von Barbara Weidle im AUGUST MACKE HAUS in Bonn kuratierte Ausstellung präsentiert Leben und Werk des in Bonn geborenen Verlegers mit Fotos, Briefen (vornehmlich Faksimeles aus dem Kurt Wolff Archive der Beinecke Rare Book and Manuscript Library, Yale), Büchern und 50 graphischen Arbeiten. So wird mit Georg Heyms „Umbra vitae“, illustriert von Ernst Ludwig Kirchner, eines der schönsten illustrierten Bücher des 20. Jahrhunderts zu sehen sein, ebenso selten gezeigte Andrucke, die der Vorbereitung des Buches dienten. Der bedeutenden „Kristus-Mappe“ mit Holzschnitten von Karl Schmidt-Rottluff , die Wolff 1919 verlegte, wird ein Raum gewidmet sein. Hugo Steiner-Prags Golem-Lithographien und Fotoarbeiten von August Sander und Albert Renger-Patzsch zeigen das breite Spektrum der verlegerischen Aktivitäten Wolffs, ebenso wie zahlreiche Ausgaben der von ihm publizierten Bücher, darunter Voltaires „Candide“ mit den Zeichnungen Paul Klees und Richard Hülsenbecks „Doktor Billig am Ende“ mit Zeichnungen von George Grosz . Ludwig Meidner ist mit seinem bedeutenden Mappenwerk „Straßen und Cafés“ und dem programmatischen Buch „Im Nacken das Sternenmeer“ vertreten. Auch die Reihe „Der Jüngste Tag“ wird fast vollständig gezeigt werden.
Ernst Ludwig Kirchner
Andruck/Entwurf Titelseite zu Georg Heyms „Umbra vitae“,
1923 (Kunstbibliothek Berlin) |
Die Zeit der Emigration lässt sich mit zum großen Teil unbekannten Fotos aus Familienbesitz und bisher kaum bekannten Dokumenten aus dem Bestand der Exilabteilung der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt nachvollziehen. Porträts von Lotte Jacobi und Fred Stein ergänzen das Bild.
Ein Segment der Präsentation widmet sich dem Wirken von Leonhard Wolff (1848-1934), dem Vater Kurt Wolffs, der das Bonner Musikleben am Ende des 19. Jahrhunderts als Städtischer Musikdirektor und Musikprofessor der Bonner Universität entscheidend beeinflusste.
Kurt Wolff
mit seinem Vater, dem Komponisten und Musikprofessor Leonhard Wolff,
1930 auf der Poppelsdorfer Allee in Bonn, Foto: Privat |
Zur Ausstellung erscheint ein von Barbara Weidle herausgegebenes Begleitbuch im Weidle Verlag mit Beiträgen von den Literaturwissenschaftlern Silvia Asmus, Rolf Bulang, Brita Eckert, Wolfram Göbel, Friedrich Pfäfflin, Ursula Seeber, Karl Wagner, Thedel von Wallmoden, und den Kunsthistorikerinnen Klara Drenker-Nagels und Barbara Weidle. Gespräche mit Klaus Wagenbach und Christian Wolff sowie bisher unpublizierte Texte von Kurt Wolff selbst und Teile seiner Korrespondenz geben neue Einblicke in eine der faszinierendsten Verlegerpersönlichkeiten der jüngsten Geschichte.
Postkarte von Else Lasker-Schüler an Kurt Wolff
1914 (Kurt Wolff Archive, Beineke Rare Book
and Manuscript Library, Yale) |
Zum Ende der Ausstellung im August Macke Haus in Bonn ist am 9. September eine Matinee zu Kurt Wolff mit dem Schauspiel/Oper Bonn im Opernfoyer geplant.
Die Ausstellung, die vom 10. Mai - 9. September 2007 im August Macke Haus Bonn gezeigt wird, ist anschließend vom 18. September – 29. Dezember 2007 in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt a. M. und vom 15. Januar – 5. März 2008 im Literaturhaus Wien zu sehen.
Gefördert durch die

Das Konzert anlässlich der Eröffnung der Ausstellung im August Macke Haus in Bonn wird von der BEETHOVENSTIFTUNG BONN gefördert.
Leihgeber
Kunstbibliothek Berlin
Brücke Museum Berlin
Städtisches Kunstmuseum Bonn
Friedrich-Ebert-Stiftung Bonn
Universitäts- und Landesbibliothek Bonn
Barbara und Stefan Weidle, Bonn
Helmut Braun, Neunkirchen
Deutsche Nationalbibliothek Frankfurt
Winfried Flammann, Karlsruhe
Die photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur – August Sander Archiv, Köln
Deutsche Nationalbibliothek Leipzig
Deutsches Literaturarchiv Marbach
Sammlung Bulang, Marburg
Österreichische Exilbibliothek im Literaturhaus Wien
Archiv Ann und Jürgen Wilde, Zülpich
Kunstsammlungen, Städtische Museen Zwickau
sowie zahlreiche private Leihgeber, die nicht genannt sein möchten |