August Macke,
Abstrakte Komposition mit Frau, 1913, Collage aus farbigen Papieren, Aquarell, Farbkreiden,
31,5 x 39,8 cm, Privatbesitz

Bornheimer Straße 96
53119 Bonn
Telefon: 0228 / 65 55 31
Fax: 0228 / 69 15 50
Mail: buero@august-macke-haus.de
 

 

Rendezvous bei August Macke.
Robert Delaunay – Guillaume Apollinaire –
Max Ernst 1913

Austellungsdauer:
19. September – 7. Dezember 2003

Presse - Vorbesichtigung:
Donnerstag, den 18. September 2003, 11.00 Uhr

Eröffnung der Ausstellung:
Donnerstag, 18. September 2003, um 18.00 Uhr
im August Macke Haus Bonn,
Bornheimer Straße 96 (Ecke Hochstadenring)


Am 21. Januar 1913 besuchten der bedeutende französische Avantgarde-Künstler Robert Delaunay und sein Freund, der Dichter Guillaume Apollinaire, August Macke und seine Familie in deren Haus in Bonn, dem heutigen Museum August Macke Haus. An diesem für die rheinische Avantgarde bedeutsamen Ereignis nahm auch der junge Max Ernst teil, der als Schüler von August Macke einen engen Kontakt zu ihm pflegte.


August Macke,
Abstrakte Formen XII, 1913, Farbstift, Bleistift auf Papier,
20,5 x 11,5 cm, Kunstmuseum Bonn

Die Tagebuch-Eintragungen Elisabeth Erdmann-Mackes berichten über den lebendigen wie lustigen Abend, die intensiven Gespräche zwischen den Künstlern und die Korrespondenz, die sich daran zwischen Macke und Delaunay anschloss. Sie bezeugen die enge persönliche und freundschaftliche Bindung der Künstler untereinander, am Vorabend des Ersten Weltkrieges.

Delaunay und Apollinaire befanden sich auf der Rückreise nach Paris von Berlin, wo die erste Delaunay-Ausstellung in Deutschland in der Galerie ‚Der Sturm‘ eröffnet worden war. Der Gründer und Leiter der Galerie, Herwarth Walden, war – auch durch die gleichnamige Zeitschrift - in den letzten Monaten immer prononcierter zum Vorkämpfer der avantgardistischen Bewegung des Expressionismus geworden.


August Macke,
Café am See, 1913, Aquarell und Farbstift,
30 x 40,2 cm, Sammlung Olbricht

Auch August Macke hatte vermehrt kunstpolitische Aufgaben übernommen, um der neuen Kunstbewegung innerhalb Deutschlands eine Basis zu bereiten. Für den modernen Künstler, der abseits traditioneller Pfade sein Wirkungsfeld sah, gehörte es dazu, sich selbst Ausstellungsmöglichkeiten zu eröffnen, Gleichgesinnten anzuschließen und so den künstlerischen und wirtschaftlichen Erfolg selbst in die Hand zu nehmen. Aufgrund der zunehmenden Anfeindungen durch kultur-konservative Kräfte im wilhelminischen Kaiserreich und wegen der Vorherrschaft des Impressionismus auf dem deutschen Kunstmarkt hatte sich unter fortschrittlichen Künstlern immer deutlicher das Bedürfnis abgezeichnet, sich zusammenzutun. Es entstand die Idee, einen Künstlerbund zu gründen, der alle neuen Kräfte umfassen sollte. August Macke hatte an dieser Idee und ihrer Umsetzung großen Anteil.
Guillaume Apollinaire, der Avantgarde-Dichter und Kunstkritiker in Paris, war davon überzeugt, mit Robert Delaunays Bildern eine neue Kunstrichtung zu unterstützen, die in der Zukunft einen bedeutenden Platz in der Kunstgeschichte haben würde. Im Herbst 1912 hatte er den Begriff „Orphismus“ erfunden. Damit bezeichnete er die lichthaltigen, auf Farbformen und ihre Simultankontraste reduzierten Bildkompositionen Robert Delaunays. Diese interpretierte er als die Fortsetzung des Kubismus.

So erscheint es naheliegend, dass sich diese wichtigen Vertreter und Vermittler aktueller Kunstpositionen aus ihren jeweiligen Ländern am 21. Januar 1913 persönlich austauschten, um gemeinsam an konkreten Plänen zur Verwirklichung eines fortschrittlichen Bundes zu arbeiten.
Darüber hinaus gab es eine gemeinsame Grundkonstante der künstlerischen Auffassung, die Macke und Delaunay miteinander verband. Beiden lag daran, mit Hilfe der Farbe und ihrer Verteilung auf der Bildfläche harmonische, ästhetisch überzeugende und den Rhythmus der Natur spiegelnde Bildkompositionen zu schaffen. Gerade die Auseinandersetzung mit der Malerei Delaunays „brachte Macke zu sich selbst“. Für die künstlerische Entwicklung von Max Ernst, dem Autodidakten, der eigentlich in Bonn Kunstgeschichte studierte und August Macke sehr schätzte, war die Begegnung mit den beiden geistigen Vorreitern französischer Kultur eindrucksvoll. Dies lässt sich weniger in konkreten Bildformulierungen als an der Gesamtentwicklung seines immer selbstständiger werdenden Oeuvres ablesen.

Das Treffen in Bonn in Zeiten bilateraler Spannungen zwischen den Heimatländern der Künstler zeugt von der Tragweite der Ideen. Wie schnell sich dieser Idealismus und das intensive künstlerische Miteinander wieder verflüchtigte, zeigt die Wirkung der zunehmenden Nationalisierung und der Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Er bedeutete eine tiefe Zäsur, einen Riss in dem zarten Band der deutsch-französischen Beziehungen, an dem Macke, Ernst, Apollinaire und Delaunay u.a. geknüpft hatten.
In diesem Jahr jährte sich das denkwürdige Rendezvous bei August Macke zum 90. Mal. Für das August Macke Haus ist dies ein willkommener Anlass, diesem einmaligen Treffen der vier Künstler eine Ausstellung am Originalschauplatz zu widmen.


Douglas Swan,
Variationen mit einem Gemäldefragment Robert Delaunays aus dem Besitz August Mackes, 1912/1990, Öl, Collage auf Leinwand,
129 x 118 cm, Privatbesitz

Rund 50 Exponate - darunter auch eines mit Fragmenten eines Delaunay-Gemäldes, dass sich im Besitz von August Macke befand und bislang noch nie öffentlich zugänglich war sowie sämtliche farbig gefasste Kalligramme von Guillaume Apollinaire - dokumentieren das Treffen der vier Künstler, vermitteln die künstlerischen Positionen der Beteiligten zu dieser Zeit und veranschaulichen die künstlerischen Interdependenzen, die sich daraus entwickelten.

Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog mit einer Dokumentation der Reise Delaunays und Apollinaires von Paris nach Berlin und zurück über Köln und Bonn sowie mit mehreren wissenschaftlichen Beiträgen zur künstlerischen Entwicklung von Robert Delaunay bis 1913, zum Verhältnis zwischen Robert Delaunay und August Macke, zu Max Ernsts Rezeption von Delaunay und Apollinaire, zu Guillaume Apollinaires Beziehung zu Robert Delaunay und dessen Orphismus als Kritiker und Anreger wie auch einem Beitrag zum Thema „Deutsch-französische Netzwerke. Kunsthändler und Sammler 1900 - 1914“.

Autoren:
Claude Debon (Sorbonne, Paris), Prof. Michel Décaudin (Sorbonne, Paris), Dr. Ina Ewers-Schultz, Hamburg, Dr. Andreas Gabelmann (Kunstmuseum Singen), Dr. Jürgen Pech (Max Ernst Museum Brühl), Prof. Dr. Kurt Roessler (Universität Münster), Pascal Rousseau (Université de Tours), Lisa Werner, Berlin,

Kuratorin: Dr. Ina Ewers-Schulz, Hamburg.

Ausstellung im August Macke Haus Bonn:
19. September – 7. Dezember 2003

Katalog zur Ausstellung:
250 Seiten, 17,- €

Öffnungszeiten: Di – Fr 14.30 – 18 Uhr, Sa, So u. feiertags 11 – 17 Uhr
Kostenlose Führung sonntags 11.30 Uhr


Rahmenprogramm:

Donnerstag, 9. Oktober 2003, 19.30 Uhr, Vortragssaal des Bonner Kunstvereins, Hochstadenring 22-24
Dr. Ina Ewers-Schultz
August Macke – Robert Delaunay. Eine deutsch-französische Künstlerfreundschaft
Eintritt: 3,50 € / 2,50 €

Samstag, 18. Oktober 2003, 15.05 – 18.00 Uhr, Hörfunk – WDR 3
wdr 3 pm: Rendezvous bei August Macke. Robert Delaunay und Guillaume Apollinaire zu Besuch in Bonn. Eine Sendung von Michael Schwalb

Donnerstag, 6. November 2003, 19.30 Uhr, Atelier im August Macke Haus
Prof. Dr. Kurt Rössler
Apollinaire und Deutschland 1912 – 1914 - Ein Apollinaire-Abend mit Wein vom literarischen Weinberg Guillaume Apollinaire am Rolandsbogen
Eintritt: 8,00 € / 5,00 € (beschränkte Teilnehmerzahl – Kartenreservierung erbeten)