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Gabriele Münter
Holz- und Linolschnitte
Ausstellungsdauer:
29.04.2001 - 08.07.2001

Gabriele Münter in
Rapallo, 1906
Gabriele Münter
(1877-1962) schuf als wichtigste Künstlerin des "Blauen Reiter" nicht
nur ein umfangreiches malerisches Oevre von strahlender Farbkraft und expressiver
Formensprache, sondern auch ein bedeutendes druckgraphisches Werk. Es umfaßt
insgesamt 88 Blätter, überwiegend Holz- und Linolschnitte, aber auch Radierungen
und Lithographien. Rund ein Viertel ihrer Druckgraphiken schuf Münter während
der Periode ihres Frühwerks bis 1908, hier handelt es sich überwiegend
um Farbholz- bzw. Linolschnitte, wobei die Künstlerin mit bis zu sechs verschiedenen
Farbzuständen pro Blatt experimentierte.
Als junge Kunststudentin in München kurz nach der Jahrhundertwende war sie
erstmals mit der Technik des Holzschneidens in Berührung gekommen.
1902 wurde Münter Schülerin von Wassily Kandinsky, von 1903 bis 1914 war sie
seine Lebensgefährtin. Besonders während ihres gemeinsamen Aufenthaltes in
Paris 1906/07 entstanden die meisten von Münters frühen Drucken, die eine
erstaunliche Meisterschaft in der Beherrschung der Technik und der Farbeffekte
erkennen lassen. Das Medium der Druckgraphik kam ganz offensichtlich der ausgeprägten
zeichnerischen Begabung Münters und ihrer Fähigkeit entgegen, ein Bild in
einfachen und flächigen Formeinheiten anzulegen.

Marabou, 1907, Farblinolschnitt
Damit geht ihre Druckgraphik formal den revolutionären Neuerungen
voraus, die Münter und dem Kreis der "Blauen Reiter" wenig später in der Malerei
gelangen. Während der Jahre des "Blauen Reiter" von 1908 bis 1914 mit ihrem
äußerst produktiven Durchbruch zu einer neuartigen Malerei trat das druckgraphische
Arbeiten für Münter vorübergehend in den Hintergrund. Eine Ausnahme bilden
eine Gruppe von klar konturierten Schwarz-Weiß- Holzschnitten, die Münter
Ende 1912 im Auftrag von Herwarth Walden für dessen Zeitschrift "Der Sturm"
schuf, ein wichtiges Forum expressionistischer Graphik der Jahre vor dem Ersten
Weltkrieg. In der Zeit ihres schwedischen Exils ab 1916 entstanden überwiegend
feinlinige Radierungen oft weiblicher Porträts oder Ansichten ihrer Umgebung.
Im Winter 1915/16 war sie in Stockholm ein letztes Mal mit Kandinsky zusammengetroffen,
der sich während dieses Aufenthaltes ebenfalls mit Radierungen befaßte.
Während der Neuorientierung in Deutschland in den zwanziger Jahren konzentrierte
sich Münter in ihren Druckgraphiken fast ausschließlich auf die Menschendarstellung,
die auch in ihren berühmt gewordenen knappen Bleistiftzeichnungen zum Hauptgegenstand
ihres Interesses wurde, wobei sie die Technik der Lithographie wählte, die
eine möglichst unmittelbare Umsetzung der zeichnerischen Vorlage ermöglichte.
Nach ihrer endgültigen Rückkehr nach Murnau 1930 knüpfte Münter auch in ihren
Holzschnitten, jetzt meist von vignettenhaftem Format, wieder an den Stil
und die Motive ihrer Malerei der "Blauen Reiter"-Zeit an, die sich im Medium
der Druckgraphik zu einfachen Strukturen verdichtet.

Neujahrswunsch, 1935, Linolschnitt
Sämtliche in der Ausstellung gezeigten Druckgraphiken stammen aus dem Besitz
der Städtischen Galerie im Lenbachhaus München, die mit der großzügigen
Schenkung Gabriele Münters 1957 auch das gesamte druckgraphische Werk der
Künstlerin erhielt. Erstmals wird dieses wertvolle Material als ein wichtiger
Aspekt ihres Schaffens mit einer Sonderausstellung vollständig vorgestellt,
ergänzt durch ausgewählte Originalentwürfe, Skizzenbücher und Photographien,
die sich zum Teil im Besitz der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung
als Sachwalterin des persönlichen Nachlasses der Künstlerin befinden
Öffnungszeiten:
Di-Fr 14.30-18 Uhr, Sa+So 11-17 Uhr, sonntags um 11.30 Uhr kostenlose Führung.
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