Ludwig Meidner,
Porträt Conrad Felixmüller, 1915,
Öl auf Leinwand
115 x 79cm
Privatbesitz

Bornheimer Straße 96
53119 Bonn
Telefon: 0228 / 65 55 31
Fax: 0228 / 69 15 50
Mail: buero@august-macke-haus.de
 

 

Ludwig Meidner - Weltentaumel
Die expressionistische Werkphase

Ausstellungsdauer:
5. März – 31. Mai 2004

Das August Macke Haus präsentiert anhand thematischer Schwerpunkte die expressionistische Phase im künstlerischen Schaffen von Ludwig Meidner (1884 - 1966), die etwa von 1912 bis in die frühen zwanziger Jahre andauerte. In dieser Zeit gelang Ludwig Meidner formal und inhaltlich ein eigenständiger und nachhaltig beeindruckender Beitrag auf dem weiten Feld der expressionistischen Kunst in Deutschland. Er entwickelte - auch in der Auseinandersetzung mit der internationalen Avantgarde - einen signifikanten Stil und eine originäre Ikonographie.

Etwa um 1910 eroberte sich Ludwig Meidner mit frühen, vorexpressionistischen Berliner Vorstadtlandschaften ein neues Thema. Eine Tuschezeichnung mit der Ansicht eines Berliner Hafens und zwei noch unpublizierte Zeichnungen von 1911 und 1912 führen in die Bildwelt Meidners ein, die sich nur ein Jahr später mit Blick auf das Zentrum der Stadt ungeheuer verdichtete und gleichzeitig immer instabiler wurde. Aus dieser spannenden Periode, in der die Großstadt metaphorisch als Ort des Umbruchs aber auch der Katastrophe gedeutet wird, werden zahlreiche seltene druckgraphische Blätter mit Straßen und Caféhausszenen gezeigt. Die Destruktion des (Bild-) Raumes und der ihn füllenden Architektur-, Figur- und Landschaftsmotive mündet in den sogenannten „Apokalyptischen Stadtlandschaften“. Damit wurde von Meidner ein Thema bearbeitet, das zeitgleich in der expressionistischen Literatur von großer Aktualität war.


Ludwig Meidner, Straße I / Berlin, Potsdamer Straße, 1913,
Kaltnadelradierung, 37,2 x 27,5 cm, Privatbesitz

Die Anbindung Meidners an die literarische Bohéme drückt sich auch in zahlreichen Porträts seiner Freunde und Weggefährten aus. Es handelt sich hier überwiegend um Druckgraphiken, die seinen engen Freund Ernst Wilhelm Lotz, Max Herrmann-Neiße, Theodor Däubler, Arthur Holitscher, Johannes R. Becher, Franz Werfel und viele andere zeigen. Diese Galerie der Köpfe belegt Meidners enorme Sensibilität als Porträtist.


Ludwig Meidner, Der Bildhauer Uli Nimptsch (II), 1919,
Kaltnadelradierung, 32,1 x 19,2 cm, Privatbesitz

In direktem Zusammenhang mit dieser Werkgruppe stehen die zahlreichen Selbstporträts von Meidner, in denen sich der Künstler immer wieder befragt und mit großer Intensität in verschiedensten Techniken dargestellt hat. Die enorme Präsenz seiner Physiognomie, die innere Aufgewühltheit und Nervosität, die sich direkt in den künstlerischen Ausdrucksmitteln zu spiegeln scheint und schließlich der experimentelle Charakter im Umgang mit Perspektive und Verkürzung lassen diese Werkgruppe besonders bedeutsam werden.


Ludwig Meidner, Selbstbildnis mit Palette, 1919,
Öl-Tempera auf Karton/Pappe, 70,1 x 54,6 cm, Privatbesitz

Ein tiefer Einschnitt in das Leben und Werk von Ludwig Meidner wird durch den Ersten Weltkrieg markiert. Der Künstler musste zwar nicht selbst an den Kämpfen teilnehmen, aber die Brutalität des Krieges und insbesondere der Tod von Ernst Wilhelm Lotz provozierten eine Reihe von beeindruckenden Kriegsszenen, die durch einige herausragende Tuschfederzeichnungen, durch Druckgraphiken und das bereits 1914 publizierte Mappenwerk „Krieg“ vertreten sind.

Thematisch schließt sich daran die Wiederentdeckung religiöser Motive an. Hier handelt es sich vor allen Dingen um großartige Prophetendarstellungen, die durch zwei Aquarelle, aber auch Zeichnungen und Graphiken vorgestellt werden.

Der stilistische Wandel, der in Meidners Werk etwa um 1920 einsetzt und vom Expressionismus zu einem neuen Naturalismus führt, wird im Umgang mit dieser Aufgabenstellung besonders augenfällig. Daher beschließen wenige ausgesuchte Blätter aus den frühen zwanziger Jahren den Zeitrahmen dieser Ausstellung.

Insgesamt zeigt das August Macke-Haus in Bonn rund 80 Arbeiten von Ludwig Meidner aus den Jahren zwischen 1910 und 1926, darunter mehrere Arbeiten, die erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Es handelt sich dabei überwiegend um Zeichnungen und Druckgraphiken der wichtigsten privaten Meidner-Sammlung Europas, die durch einige zumeist farbige Werke aus öffentlichem Besitz und durch eine Reihe von Publikationen und Buchillustrationen, die Ludwig Meidner als Literaten und Mitglied der expressionistischen Schriftstellerszene ausweisen, ergänzt wird.


Ludwig Meidner, Der Kunstkritiker Paul Westheim (II), 1920,
Kaltnadelradierung, 44,8 x 31,2 cm, Privatbesitz

Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog mit mehreren wissenschaftlichen Beiträgen u. a. zu Ludwig Meidners expressionistischem bildkünstlerischen Werk, zu seinem literarischen Oeuvre sowie zu seiner Mappe Krieg vom Herbst 1914.
Autoren: Winfried Flammann, Gertrude Cepl-Kaufmann, Martina Padberg, Dietrich Schubert

Kuratorin: Dr. Martina Padberg, Bonn
Katalog zur Ausstellung: 12.- €


Rahmenprogramm

VORTRAG
Erik Riedel
Jüdisches Museum der Stadt Frankfurt a. M.
Ludwig Meidner Archiv

“Ludwig und Else Meidner –
Leben und Werk“

Donnerstag, 29.04.2004, 19.30 Uhr
Vortragssaal des Bonner Kunstvereins
Hochstadenring 22-24
(ca. 100 m vom August Macke Haus)

Pro Person 3,50 € / 2,50 €
vor dem Vortrag besteht die Möglichkeit die Ausstellung im August Macke Haus
bis 19.15 Uhr zu besichtigen

PROGRAMME FÜR KINDER
Workshops und Führungen
für Kinder von 6 – 12 Jahren
Information und Anmeldung:
Marlene Heinze, Tel. 0228 – 65 55 31

FINISSAGE
Sonntag, 23. Mai 2004, 18.00 Uhr
Rundgang durch die Ausstellung
mit Dr. Martina Padberg, Kuratorin

anschließend bei einem Glas Wein im Atelier
„Expressionistische Großstadtlyrik“
vorgetragen von
Karin Hempel-Soos
Haus der Sprache und Literatur Bonn

Pro Person 9.- € / 7.- €
(Kartenreservierung erbeten)