Lebenswelten -
Stillleben, Interieur und Kunsthandwerk im rheinischen Expressionismus

Ausstellungsdauer:
25.September 2008 - 25.Januar 2009
Eröffnung: Mi, 24.09.08, 18.00 Uhr

Das eigene häusliche Lebensumfeld war für die rheinischen Expressionisten ein wichtiges Thema, das sie einerseits in ihrer Malerei reflektierten und andererseits praktisch zu gestalten suchten. In Interieurdarstellungen inszenierten die Künstler ihr privates Ambiente und hinterfragten dabei nicht selten die bürgerliche Welt ihrer Herkunft. Die Gattung des Stilllebens diente zudem als ein vielfältiges Experimentierfeld für innovative Bildideen und neue stilistische Ansätze.

August Macke,
Drei Frauen am Tisch bei der Lampe , 1910, Öl/Papier, 56 x 47,5 cm,
Privatbesitz

Vorbereitet durch die Reformbewegungen der Jahrhundertwende und gefördert durch den Besuch der fortschrittlichen Kunstgewerbeschulen in Düsseldorf und Krefeld, in denen etwa August Macke, sein Vetter Helmuth und Heinrich Campendonk studierten, war das Interesse an der Gestaltung der eigenen Lebenswelt erwacht: Es entstanden zahlreiche kunsthandwerkliche Objekte wie etwa Vasen, Dosen, Schüsseln und Schmuck. Darüber hinaus begannen die Künstler und Künstlerinnen, ihre eigenen Möbel, Teppiche oder Stoffe zu entwerfen oder ihre Wohnungen auszumalen. Der private Raum wurde damit zu einem Spiegel der eigenen Persönlichkeit.

August Macke,
Abstraktes Muster III, 1912, Stickerei-Entwurf, farbige Tusche,
27 x 31,6 cm, Kunstmuseum Bonn

Dem Bedürfnis, das gesamte Lebensumfeld gestaltend zu verändern, lag ein gedankliches und praktisches Gesamtkonzept zugrunde: Alte Hierarchien zwischen Kunst und Kunstgewerbe sollten keine Gültigkeit mehr haben. Auch die Volkskunst, traditionelle Handwerkstechniken oder außereuropäische Kultobjekte wurden als ebenbürtig und anregend wahrgenommen. Damit standen die Künstler im Einklang mit der deutschen Werkbund-Bewegung, die Anfang des 20. Jahrhunderts genau diese Zusammenführung von Kunst und Handwerk auf ihre Fahnen schrieb. Entscheidendes Bindeglied war dabei der Künstler als Erfinder neuer Formen, der die Veredlung der gewerblichindustriellen Produktion ankurbeln sollte. Viele der rheinischen Expressionisten nahmen an diesem Gestaltungsprozess unmittelbaren Anteil, waren Mitglied in der Kölner Vereinigung für Kunst in Handel und Gewerbe und entwarfen ihre Keramik, Graphik oder Stickereien für kommerzielle Auftraggeber.

Franz M. Jansen
Wandmalerei in der Diele in Felderhoferbrücke (Bröleck/Siegkreis), 1922,
Zerstört

Rund 120 Exponate, darunter 50 Bilder und zahlreiche kunstgewerbliche Arbeiten von Heinrich Campendonk,Ernst M. Engert, Max Ernst, Franz M. Jansen, Joseph Kölschbach, Fifi Kreutzer, August Macke, Helmuth Macke, Marie von Malachowski-Nauen, Carlo Mense, Heinrich Nauen, Walter Ophey, William Straube und Hans Thuar treten in dieser Ausstellung in einen unmittelbaren Dialog miteinander – ganz im Sinne der ganzheitlichen expressionistischen Vorstellung.

Heinrich Nauen,
Rhododendronblüte in gelber Vase, um 1919, Öl/Lwd., 67 x 71,5 cm,
Clemens-Sels-Museum, Neuss

Zur Ausstellung erscheint im Rahmen der Schriftenreihe des Vereins August Macke Haus e. V.
ein reich bebilderter Katalog mit mehreren wissenschaftlichen Beiträgen zum gesamtkünstlerischen Ansatz bei den rheinischen Expressionisten und zur Rolle der Gattungen Stillleben und Interieur in ihrer Malerei, zur Bedeutung und zum Umfang der kunsthandwerklichen Tätigkeit von August Macke, die bisher nur am Rande wahrgenommen wurde, sowie zu völlig unbekannten spätexpressionistischen Wandgemälden von Franz M. Jansen.

Katalog, ca. 200 Seiten, 20.- Euro

Kuratorinnen: Dr. Ina Ewers-Schultz und Dr. Martina Padberg


 
Franz M. Jansen, Deckeldose, um 1912/13, Holz, August Macke Haus Bonn; © August Macke Haus e.V. Bonn 2008 •
Walter Ophey, Eickelborner Figur mit Früchten, um 1925, Öl/Leinwand, museum kunst palast Düsseldorf,
© VG-Bild-Kunst Bonn 2008 •
Fifi Kreutzer, Vorzeichnung zum Vorsatzblatt: Pilze und
Blätter, um 1920-25, Gouache/liniertes Papier, August Macke Haus Bonn © Erben Fifi Kreutzer 2008 •
Heinrich Campendonk, Kette, Holz, bemalt,
Privatbesitz, © VG-Bild-Kunst Bonn 2008
Bornheimer Straße 96
53119 Bonn
Telefon: 0228 / 65 55 31
Fax: 0228 / 69 15 50
Mail: buero@august-macke-haus.de

Di - Fr 14.30-18 Uhr,
Sa, So & Feiertags 11-17 Uhr,
Mo geschlossen.

Sonntags jeweils um 11.30 Uhr