Fifi Kreutzer (1891 – 1977)
Eine rheinische Expressionistin

Ausstellungsdauer:

28. Jan. 2005 – 1. Mai 2005
Fifi Kreutzer - 1891 in Köln geboren und 1977 im oberbergischen Büchel verstorben - war seit 1917 mit dem Künstler F. M. Jansen verheiratet, einem Ausstellungskollegen und Mitstreiter von August Macke. Neben ihrem Privatunterricht bei dem Düsseldorfer Landschaftsmaler Ernst Hardt gestaltete sie Stick- und Holzarbeiten. Mit handwerklichen Arbeiten bestritt sie erste Ausstellungsbeteiligungen in Köln - bei der „Ausstellung für Kunst und Gewerbe“ (1912) sowie der „Werkbundausstellung“ (1914). Die Präsentation ihrer aufwendigen Stickarbeit Der Drachentöter (heute Rheinisches Landesmuseum Bonn) bei der Genter Weltausstellung 1913 trug ihr die Bronze-Medaille ein.
Fifi Kreutzer, Karneval, 1926, Aquarell/Tusche, 20,0 x 26,7 cm,
Privatbesitz © Erben Fifi Kreutzer 2005
Vielfigurige, buntfarbige Illustrationen nach Märchen von Hans Christian Anderson und den Brüdern Grimm bereiteten die expressionistischen Genreszenen um 1920 vor. Nach einem Graphik-Studium an der Kunstgewerbeschule in Hamburg kehrte sie in das Rheinland zurück und fand in Landschafts- und Tierdarstellungen ihr Lebensthema. Mitte der 1920er Jahre gelangen Arbeiten in freier, abstrahierender Stilsprache - Interpretationen des Oberbergischen Landes und Siegkreises, wo sie seit ihrer Heirat lebte, aber auch süddeutscher, österreichischer, oberitalienischer und serbischer Landschaften, die sie mit F. M. Jansen bereiste.

Impressionen von Wanderungen an Rhein, Mosel und durch den Westerwald fasste Fifi Kreutzer ab 1930 in prägnante Umrisszeichnungen und illustrierte damit Reiseberichte in der „Kölnischen Zeitung“ (1931-34). Nach der Teilnahme an vielbeachteten Gruppenausstellung im Rheinland der 1920er Jahre, insbesondere im „Kölnischen Kunstverein“, sowie einigen Doppelausstellungen mit F. M. Jansen, richteten ihr die Kölner GEDOK (1934) und der „Kölnische Kunstverein“ (1935) erste Einzelausstellungen ein. Als außergewöhnliche Naturverehrerin teilte Fifi Kreutzer ihr Leben jedoch bewusst zwischen bildnerischer Tätigkeit und ihrer Arbeit als „Bäuerin“. So konnte sie in der ländlichen Abgeschiedenheit in Büchel die Jahre des Nationalsozialismus ungefährdet überstehen.
Fifi Kreutzer, Beerdigung eines Kindes, 1918, Aquarell/Tusche, 33,8 x 27,6 cm, Theo und Ingrid Jansen, München © Erben Fifi Kreutzer 2005
Der 1946 von F. M. Jansen und seinen Freunden begründete „Rheinisch-Bergische Künstlerkreis“ bot auch Fifi Kreutzer nach dem Zweiten Weltkrieg ein neues Forum. Bis ins hohe Alter fixierte sie ihre Beobachtungen von Fauna und Flora des unmittelbaren Lebensumfelds und variierte ihre Botschaft von der innigen Symbiose von Mensch und Natur. Als Bewunderin des fahrenden Volks, dessen aggressionsfreien Umgang sie liebte, war sie eine Ökologin und Grüne avant la lettre. In der Künstlerehe mit F. M. Jansen übernahm sie freiwillig den Part in der zweiten Reihe. Sein Werk stellte sie stets über ihr eigenes. Diese Einstellung dürfte das entscheidende Motiv für den heute eher bescheidenden Bekanntheitsgrad dieser rheinischen Expressionistin sein.
Fifi Kreutzer, Chinesische Volksszene 1921, Aquarell, 21,3 x 17,7 cm, Privatbesitz
Das August Macke Haus, dem ein Teil des künstlerischen Nachlasses übereignet wurde, zeigt rund 90 Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Holzschnitte sowie Stick- und Holzarbeiten von Fifi Kreutzer und belegt mit Bildzeugnissen und Dokumenten aus sieben Lebensjahrzehnten erstmals die überraschende Vielseitigkeit und Qualität ihres OEuvres.

Kuratorin: Dr. Hildegard Reinhardt, Bonn

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Rahmen der Schriftenreihe des VEREIN AUGUST MACKE HAUS e. V., ca. 250 Seiten, 90 Abbildungen, 32 Farbtafeln, 18.- Euro
 
Fifi Kreutzer, um 1930
Bornheimer Straße 96
53119 Bonn
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Mail: buero@august-macke-haus.de