| |
 |
| |
 |
 |
 |
Ernst
Moritz Engert
Briefe von Pappi aus dem Tiech
an Uti
Scherenschnitte und Zeichnungen
Ausstellungsdauer:
23. September 05 - 22. Januar 06 |
|
 |
 |
 |
Der 1913 an der legendären Ausstellung „Rheinischen Expressionisten“ in
Bonn beteiligte Ernst Moritz Engert (Yokohama 1892 – 1986 Hadamar)
ist als virtuoser Meister des Scherenschnitts, als genialer und
unbestritten einzigartiger „Schattenschnitter“ in die Kunstgeschichte
des 20. Jahrhunderts eingegangen.
Mit Leichtigkeit und Eleganz sowie
mit außerordentlichem
Witz und raffinierter Einfachheit konterfeite er Zeitgenossen und
Zeitgenössisches mit Schere und Schwarzpapier, fixierte Physiognomien
und Figuren in abstrahierten Ausdruckschiffren und sparte dabei
nicht an Spott, Ironie und Sarkasmus. Exotische Raffinesse und
die bizarren Ausdrucksmöglichkeiten des Scherenschnitts, die
ihm in Japan zugeflossen waren, verknüpfte er mit dem Vokabular
der europäischen Avantgarde. Engert, der als geistvoller Illustrator
schon früh von der expressionistischen Literatenszene geschätzt
wurde, hob dabei die Silhouette aus ihrem konstatierenden Photographie-Dasein
ins Graphische und in die reine Ausdruckskunst.
Als Rekrut und Verwundeter
im Ersten Weltkrieg, den er überwiegend
in Frankreich miterlebte, legte Ernst Moritz Engert den Briefen
an seine Frau Alette kleine Zeichnungen für seine 1915 geborene
Tochter Ursula – genannt Uti – bei. Die Mutter klebte diese miniaturartigen
Arbeiten in zwei Schulhefte ein und gab ihnen den Titel „Briefe
von Pappi aus dem Tiech an Uti“
 |
 |
 |
Hund mit Blumentopf, 1917, Farbstiftzeichnung, 7,3 x 6,4 cm
Stiftung Ernst Moritz Engert
bei der Kreisstadt Limburg a.d.Lahn |
 |
Bei den teils in Bleistift, teils
in Tusche wie auch in Farbstift und Aquarell ausgeführten Arbeiten, die das außergewöhnliche
zeichnerische Talent Engerts sowie seinen Hang zur karikierenden Übersteigerung
dokumentieren, handelt es sich sowohl um kindgemäße
Darstellungen von Tieren, Pflanzen und exotischen Szenen als auch
um Karikaturen aus dem Soldatenalltag, Stickmuster und Wunschprojektionen,
die sich mehr an die Mutter denn an die kleine Tochter wenden.
Der
Krieg mit all seinen Schrecken und den Gefahren täglicher
Angriffe ist in den Zeichnungen wie auch in den Briefen an seine
Frau weitgehend ausgeklammert; die Umstände, unter denen der
Künstler selbst sein Dasein zu fristen hatte, sind verharmlost
oder humoristisch überzeichnet.
 |
 |
 |
Mit Wilhelm II, 1917, Farbstiftzeichnung, 13,2 x 12,1 cm
Stiftung Ernst Moritz Engert
bei der Kreisstadt Limburg a.d.Lahn |
 |
Das August Macke Haus, das
seit kurzem einen umfangreichen Teil der künstlerischen Nachlasses von Ernst Moritz Engert besitzt
und dem Künstler bereits vor Jahren eine umfangreiche Schau
zu seinen „Bonner Köpfen“ widmete, präsentiert neben
den rund 60 Uti-Zeichnungen und den dazugehörenden Briefen
und Tagebüchern über 60 Porträt- und Figuren-Silhouetten,
die in der Zeit um und während des Ersten Weltkrieges entstanden,
darunter auch die so genannten „Schwabinger Köpfe“ der Münchener
Künstler-Bohème, in der Engert verkehrte und die erstmals
1921 zusammenhängend veröffentlicht wurden.
Im Rahmenprogramm
der Ausstellung ist neben einem Vortrag zu Leben und Werk E. M.
Engerts und einer Lesung aus seinen Tagebüchern
und Briefen aus dem ersten Weltkrieg auch die Vorführung des
Films „Schatten“, D 1923, Regie: Arthur Robison, vorgesehen, in
dem ein von Engert kreiertes Schattentheater vorkommt, das auch
von ihm selbst gespielt ist.
Die ausgestellten Werke stammen aus
dem Besitz des August Macke Hauses Bonn, der Stiftung E. M. Engert
der Kreisstadt Limburg a. d. Lahn, der Staatlichen Graphischen
Sammlung München sowie
von privaten Leihgebern.
Kurator: Franz Josef Hamm, Limburg
Katalog zur Ausstellung
mit 120 Seiten, 60 Farbtafeln
14.- Euro |
 |
|
|
 |
 |
Plakat zur Ausstellung,
E.M.Engert, Selbstbildnis als Dandy, um 1911
(c) Ernst Moritz Engert, VG Bild-Kunst, Bonn 2005 |
|
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
  |
|