Cesar Klein. 1876 – 1954
Metamorphosen

Ausstellungsdauer:

12. Mai – 11. September 2005
Der in Hamburg geborene und vorwiegend in Berlin tätige Cesar Klein (1876 – 1954) zählte in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zur künstlerischen Avantgarde in Deutschland. Neben angewandten Arbeiten, darunter zahlreiche Ausstattungen für Kinos, Theater, Museen und Privathäuser, schuf er ein umfangreiches malerisches Werk, das maßgeblich durch die französische Avantgarde beeinflusst war. Waren es zunächst vor allem die Landschaftsbilder Cézannes, so leiteten die prismatisch gesplitterten kubistischen Kompositionen Picassos und Braques im Werk Cesar Kleins eine entscheidende, werkbestimmende Wende ein. Während des Ersten Weltkrieges fand Cesar Klein zu einer als gänzlich fremd erlebten, magisch- undurchdringlichen Beschreibung von Wirklichkeit, wobei er auch vor puppenhaft-figuraler Vereinfachung nicht zurückschreckte. Landschaften, Stillleben, Porträts, Akte, religiöse und sozialkritische Themen bildeten den expressionistischen Prospekt.
Italienische Landschaft, 1915, Öl auf Leinwand, 51,5 x 61 cm, Privatbesitz
© VG Bildkunst Bonn 2005

Nach Studienaufenthalten in Düsseldorf, Berlin und Leipzig begann Cesar Klein seine künstlerische Laufbahn um 1900. Er entwarf Buchillustrationen, Wandmalereien und Glasfenster. 1907 stellte er erstmals in der Berliner Sezession aus und gehörte 1910 neben Nolde, Kirchner, Pechstein, Heckel u. a. zu den Mitbegründern der „Neuen Berliner Sezession“. Internationale Anerkennung erfuhr seine Malerei 1912 auf der Kölner „Sonderbundausstellung“. Aufsehen erregte er 1913 mit der expressionistischen Ausstattung des Marmorhauskinos am Kurfürstendamm. 1914 präsentierte er mehrere Arbeiten auf der großen Werkbundausstellung in Köln.

Nach Ende des Ersten Weltkrieges gehörte Cesar Klein 1918 zu den Initiatoren der revolutionär gesinnten „Novembergruppe“ sowie des „Arbeitsrates für Kunst“. Erste Bühnenbilder und Filmausstattungen entstanden. Einen Ruf von Gropius an die Großherzoglich Sächsische Hochschule für bildende Kunst nach Weimar – das spätere Bauhaus – lehnte Cesar Klein zugunsten einer Lehrtätigkeit an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin ab.

Madonna mit Kind, 1917, Öl/Lwd., 170 x 150cm, Ilse Kleyboldt
© VG Bildkunst Bonn 2005

Wiesen Kleins Bilder der zwanziger Jahre mitunter neusachliche Einflüsse auf, so orientierte er sich zuvorderst weiterhin am Kubismus und seiner bewegten, Raum öffnenden Flächigkeit. Anfang der dreißiger Jahre überführte der Maler seine Figuren in eine surreale Metamorphose.

Von den Nationalsozialisten 1933 zunächst beurlaubt und später, 1937, als „Entarteter“ mit Malverbot belegt und aus dem Lehramt entlassen, war Cesar Klein bereits 1935 von Berlin nach Pansdorf bei Lübeck gezogen. Ein Schritt in die innere Immigration. Vor dem Hintergrund der sich verdunkelnden politischen Verhältnisse erzeugen Cesar Kleins Bilder jener Jahre den mythischen Eindruck des Bedrohlichen. Sich verselbständigende, biomorphe oder konvulsive, mitunter monströs wirkende Formen lösen eine dramatische Ausdruckswelt aus, die sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg allmählich beruhigte.

Amazone, 1946, Öl/ Holz, 25 x 36 cm, Privatbesitz
© VG Bildkunst Bonn 2005

Das August Macke Haus präsentiert über 50 Gemälde, Aquarelle, Entwürfe und Skizzenbücher Cesar Kleins vor allem aus seiner expressionistischen Phase und vereint dabei erstmals wieder eine Reihe von Gemälden, die als verschollen galten und der Öffentlichkeit seit langem nicht mehr zugänglich waren, so auch das 1917 entstandene monumentale expressionistische Hauptwerk „Madonna mit Kind“.

Kurator: Dr. Uwe Haupenthal, Museumsverbund Nordfriesland, Husum

Monographie zur Ausstellung
Cesar Klein. 1876 – 1954. Metamorphosen
Hrsg. Uwe Haupenthal, 176 Seiten, zahlreiche, meist farbige Abbildungen, geb. € 20.-


 
Cesar Klein im Atelier um 1927
Bornheimer Straße 96
53119 Bonn
Telefon: 0228 / 65 55 31
Fax: 0228 / 69 15 50
Mail: buero@august-macke-haus.de