Barlach und Russland
Ernst Barlachs Russlandreise im Sommer 1906

Ausstellungsdauer:
01. September 2002 - 17.November 2002

Im Spätsommer 1906 unternahm Ernst Barlach zusammen mit seinem jüngeren Bruder Nikolaus eine Reise nach Russland, von Berlin über Warschau und Kiew nach Charkow in der heutigen Ukraine. Diese Reise sollte zu einem radikalen Einschnitt in sein künstlerisches und literarisches Werk führen und ästhetische Kräfte freisetzen, von denen der Künstler vorher nicht zu träumen wagte. Während dieser Reise und im unmittelbaren Reflex darauf entstand eine große Zahl an Zeichnungen und Skizzen, plastischen Werken und ein einzigartiges literarisches Manuskript mit dem Titel "Eine Reise ins Herz des südlichen Russland".

Die einschneidende Wirkung der Russlandreise zeigt sich vor allem in einer Fülle von plastischen und zeichnerischen Werken, die nach Barlachs Rückkehr in Berlin entstehen. Schon auf den folgenden Ausstellungen der Berliner Sezession in den Jahren 1907 und 1908 tauchen die ersten russischen Bettler- und Bauerngestalten Barlachs auf, die den bis dahin eher unbeachteten Bildhauer schlagartig ins Licht der Besprechungen und Rezensionen rücken. Der bis dahin ganz dem Jugendstil verhaftete Barlach findet durch die Reise nach Russland seine Handschrift, die sein gesamtes späteres Werk charakterisieren sollte: Die Konzentration auf den minimalisierten Ausdruck des Menschlichen und die damit einhergehende Blockhaftigkeit der Gestaltung.

Die in Kooperation mit der Ernst Barlach Gesellschaft Hamburg erarbeitete Ausstellung wertet erstmalig das während der Russlandreise angefertigte bildnerische und literarische Material in seiner Bedeutung aus. Sie versammelt sowohl die zahlreichen russischen Menschenbilder, die in plastischen Arbeiten wie "Blinder Bettler"; "Liegender Bauer"; "Hockende Bettlerin"; "Steppenweib"; "Russische Bettlerin mit Schale"; "Melonenesser"; "Russische Bettlerin II" ihren Ausdruck fanden, wie auch über 60 Zeichnungen und frühe druckgraphische Arbeiten, die neben den expressiven Menschenbildern vor allem auch eindrucksvolle Landschaftsszenarien vorführen, die in Barlachs bildnerischen Werk einen exponierten Platz einnehmen.

Unter den gezeigten Bildwerken befindet sich auch das "Russische Liebespaar" von 1908, das 1909 als weiß gefasste Porzellangruppe Verbreitung fand. Ein Exemplar davon erwarb August Macke - ein Bewunderer Barlachs, wie ein Brief an seinen Vetter Helmuth dokumentiert - 1910 in München während seines einjährigen Aufenthaltes in Tegernsee. Dort auch hielt er es in seinem "Stilleben mit Barlach-Gruppe und Schale mit Äpfeln" fest. Später fand die Barlach Gruppe ihren Platz auf einem Schrank im Wohnzimmer des Künstlers hier im August Macke Haus in Bonn.

Eine Ausstellung der Ernst Barlach Gesellschaft Hamburg für das August Macke Haus Bonn mit freundlicher Unterstützung zahlreicher öffentlicher und privater Leihgeber. Verantwortlich für Ausstellung und Katalog: Jürgen Doppelstein und Heike Stockhaus.

© der Werke Ernst Barlachs by Ernst und Hans Barlach GbR Lizenzverwaltung Ratzeburg und Seemann-Verlag Leipzig.

Öffnungszeiten: Di-Fr 14.30-18 Uhr, Sa, So und feiertags 11-17 Uhr, sonntags um 11.30 Uhr kostenlose Führung.

Rahmenprogramm:

Donnerstag, den 10. Oktober 2002,
20.00 Uhr

im Vortragssaal des Bonner Kunstvereins Hochstadenring 22-24

Prof. Dr. Wolfgang Tarnowski
Senator a. D. Hamburg

"da überstürzten sich die Erscheinungen"
Ernst Barlachs Russlanderlebnis
Befreiung zu sich selbst und Offenbarung der Grenzenlosigkeit

Der Referent ist Kunsthistoriker und Arzt, war von 1974 bis 1978 Abgeordneter und kulturpolitischer Sprecher der SPD- Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft, von 1978 bis 1983 Kultursenator der Freien und Hansestadt Hamburg und forscht seither zu Leben und Werk Ernst Barlachs.

Vor dem Vortrag, um 18.45 Uhr, findet eine kostenlose Führung durch die Ausstellung "Barlach und Russland" im August Macke Haus, Bornheimer Straße 96, statt (100 m vom Bonner Kunstverein in Richtung Viktoria-Brücke entfernt)

Eintritt für den Vortrag für Nichtmitglieder des Kunstvereins und Vereins August Macke Haus: Erwachsene EUR. 3,50
Studenten, Senioren, Schüler EUR. 2,50


Donnerstag, den 7. November 2002,
20.00 Uhr

im Vortragssaal des Bonner Kunstvereins Hochstadenring 22-24

Beate Marks-Hanßen, M. A.,
Universität Trier

"...eine Ausgestoßenheit, die der Preisgabe an Vernichtung gleichkommt..."
Ernst Barlachs "innere Emigration" im Dritten Reich

Vor dem Vortrag, um 18.45 Uhr, findet eine kostenlose Führung durch die Ausstellung "Barlach und Russland" im August Macke Haus, Bornheimer Straße 96, statt (100 m vom Bonner Kunstverein in Richtung Viktoria-Brücke entfernt)

Eintritt für den Vortrag für Nichtmitglieder des Kunstvereins und Vereins August Macke Haus:
Erwachsene EUR. 3,50
Studenten, Senioren, Schüler EUR. 2,50


Sonntag, den 17. November 2002,
15.00 Uhr

im August Macke Haus, Bornheimer Straße 96

Finissage
Timo Berndt, Schauspiel Bonn liest aus
Ernst Barlach
"Russisches Tagebuch"
"Steppenfahrt"
"Ein selbsterzähltes Leben"

Um 11.30 Uhr findet eine kostenlose Führung durch die Ausstellung "Barlach und Russland" statt

Eintritt zur Lesung für Nichtmitglieder des Vereins August Macke Haus:
Erwachsene EUR. 6,00
Studenten, Senioren, Schüler EUR. 4,00

Bornheimer Straße 96
53119 Bonn
Telefon: 0228 / 65 55 31
Fax: 0228 / 69 15 50
Mail: buero@august-macke-haus.de