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Tatjana Barbakoff
Tänzerin und Muse
Ausstellungsdauer:
01.Dezember 2002 - 23.Februar 2003
Die Tänzerin Tatjana Barbakoff (Libau / Lettland 1899-Auschwitz 1944)
kam um 1918 nach Deutschland und trat zunächst gemeinsam mit Marcel Boissier
in Kabaretts auf. Doch rasch entwarf sie Soloprogramme, mit denen sie in ganz
Deutschland und im angrenzenden Ausland gastierte. In allen Städten wurden
ihre Auftritte von den dortigen Künstlern beachtet und sie selbst vielfach
in Bildern und Fotografien festgehalten.

1924 lernte sie in Düsseldorf den Maler Gert
H. Wollheim (1894-1974) kennen, dem das August Macke Haus bereits
im Herbst 2000 eine Einzelausstellung widmete. Er wurde ihr Lebensgefährte
in den Jahren des französischen Exils (1933-1944). Dank eines plastisch-malerischen
Tanzstils, einer ungemein attraktiven persönlichen Ausstrahlung und
kostbarer, zum Teil selbst entworfener Kostüme erzielte Tatjana Barbakoff
rasch beachtliche Erfolge. Sie kreierte einen absolut originären
Tanzstil, folgte keiner Schule oder Strömung und hatte keine Nachfolger.
Den Durchbruch bei Publikum und Presse erzielte sie ab 1925 in Berlin.
Die Emigration 1933 setzte ihrer tänzerischen Karriere in Deutschland
jedoch ein abruptes Ende. Zunächst hatte sie noch in der Pariser
Emigration und in den Niederlanden Auftrittsmöglichkeiten. 1940 wurde
sie in Gurs interniert, danach wieder freigelassen. In Nizza wurde sie
im Januar 1944 von der Gestapo aufgegriffen und über Drancy nach
Auschwitz deportiert, wo sie ermordet wurde.
Wie wohl keine andere zeitgenössische Tänzerin wurde sie Modell
von Malern und Fotografen. Zunächst inspirierte sie Künstler
des Frankfurter Raums (Arnold Hensler und Benno Elkan), ab 1924 Künstler
der Gruppe „Das Junge Rheinland“ um Johanna Ey (Johann Baptist
Hermann Hundt, Arthur Kaufmann, Otto Pankok, Jupp Rübsam) sowie in
Berlin (Willy Jaeckel) und in der Schweiz (Niklaus Stoecklin u. a.). Christian
Rohlfs widmete ihr einen 29teiligen „Tatjana-Zyklus“ (1931).
Und nicht zuletzt brachte sie Gert
H. Wollheim, dessen bevorzugtes Modell sie von 1924 bis 1940 war,
in zahlreichen realen und surrealen Arbeiten ins Bild. Namhafte Fotografen
schufen Sequenzen von Privat- und Szenenfotos. Soweit nicht infolge der
nationalsozialistischen Kulturpolitik vernichtet, befinden sich diese
Arbeiten heute in deutschem und amerikanischem Museums- und Privatbesitz.
Diese wichtige Ausstellung zum Thema Tanz und bildende Kunst im Expressionismus
wird begleitet von einem Katalog mit ausführlichen Beiträgen zur
Biographie, Tatjana Barbakoffs Bedeutung als Modell bildender Künstler,
einem Verzeichnis der Titel ihrer Tänze sowie bisher unpublizierten Zeitzeugen-Berichten.
In der Ausstellung sind einige ihrer wertvollen Kostüme zu sehen, die
bereits in den 1920/30er Jahren auf Bildern und Fotografien erscheinen. Zudem
werden erstmals zahlreiche Dokumente des Nachlasses Wollheim / Barbakoff gezeigt.
Mit freundlicher Unterstützung
Westdeutsche Landesbank Girozentrale
Provinzial Rheinland
Öffnungszeiten:
Di-Fr 14.30-18 Uhr, Sa / So / Feiertage 11-17 Uhr.
Sonntags um 11.30 Uhr kostenlose Führung.
Vortrag
6. Februar 2003,
20.00 Uhr
im Atelier des August Macke Hauses
"Von den Konturen lebender Tanzplastik - Tatjana Barbakoff und die
zeitgenössische Fotografie"
Referentin: Anja Hellhammer, M. A., Theaterwissenschaftliche Sammlung
der Universität Köln, Schloss Wahn,
Besucher des Vortrages
können zuvor um 18.45 Uhr an einer kostenlosen Führung durch
die Ausstellung "Tatjana Barbakoff - Tänzerin und Muse"
teilnehmen. (Eintritt 3,50 €/ 2,50 €).
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