| |
 |
 |
 |
Nach der erfolgreichen Ausstellung „Im Rhythmus der Natur“ im Sommer 2006, einer
umfangreichen Präsentation expressionistischer Landschaftsmalerei, setzt
das August Macke Haus seine Themenausstellungen fort und stellt nun eine zweite
Gattung vor, die im rheinischen Expressionismus eine bedeutende Rolle gespielt
hat: das Porträt. Mit rund 40 Gemälden von zwölf Künstlern
und Künstlerinnen wird dabei ein reiches und vielseitiges Spektrum expressionistischer
Porträtmalerei erschlossen.
August Macke
Bildnis Franz Marc, 1910
Öl/Pappe, 50 x 39 cm |
Neben August und Helmuth Macke, Heinrich Nauen, Marie von Malachowski-Nauen,
Heinrich Campendonk, Hanns Thuar, Paul A. Seehaus, William Straube,
und Carlo Mense und F. M. Jansen werden mit Heinrich M. Davringhausen
und Walter Ophey Künstler integriert, die sich zeitweise in
ganz besonders intensiver Weise mit der Porträtmalerei beschäftigt
haben.
Marie von Malachowski-Nauen
Bildnis Mathilde Ix, 1928
Öl/Lwd., 53 x 43 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2006 |
Die Porträtmalerei ist eine seit dem Spätmittelalter
gepflegte und äußerst beliebte Gattung innerhalb des
malerischen Aufgabenspektrums. Kunsttheoretisch mit dem Vorwurf
der reinen Naturnachahmung behaftet und entsprechend abgewertet,
erfreute sie sich dennoch großer Beliebtheit, weil sie, zumeist
als privater Auftrag vergeben, durchaus Möglichkeiten der
individuellen Interpretation offen ließ und gleichzeitig
eine große technische Perfektion verlangte. In der Moderne
wurde das Porträt, neben Landschaft und Stillleben, zum Experimentierfeld
neuer, innovativer Darstellungsmodi. Von einer expressiven Dramatisierung,
mittels der Farbe bis hin zu einer am Kubismus geschulten formalen
Auflösung der Figur reicht das Spektrum der Möglichkeiten
zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
William
Straube
Herr und Frau Blume, 1914
Öl/Lwd., 68 x 75 cm |
Bei der Auswahl der Künstler und ihrer Exponate für
diese Ausstellung wurden verschiedene Aspekte berücksichtigt:
- die Einbindung der vorgestellten Künstler in den Kontext
des rheinischen Expressionismus
- eine zeitliche Schwerpunktsetzung
auf die Jahre vor dem I. Weltkrieg als der eigentlichen Hochphase
des rheinischen Expressionismus
- ein thematischer und formaler Querschnitt,
der z. B. Künstlerselbstporträts,
intime Familien- und Freundschaftsbildnisse, sowie repräsentativen
Auftragsporträts umfasst und der den Einfluss großer Vorbilder
wie Vincent van Gogh oder Henri Matisse ebenso sinnfällig vor
Augen führt wie Experimente mit kubistischen oder orphistischen
Bildlösungen.
Carlo Mense
Mathilde de Buhr (Dame mit Katze),
um 1918 Öl/Lwd., 91 x 73,5 cm |
Begegnungen mit der Kunst sind immer individueller
Natur. Museen werden aufgesucht, Bilder werden betrachtet weil sie etwas zu erzählen
haben – etwas, was jeder Betrachter mit sich, seiner eigenen Situation, seinen
heutigen Lebensumständen in Beziehung setzt. Weit über den Zugewinn
an Information oder Bildung hinaus entsteht ein Dialog zwischen dem Kunstwerk
von damals und dem Menschen, der es heute anschaut.
 |
 |
 |
Franz M. Jansen
Bildnis Max Creutz, 1909
Öl/Lwd., 44 x 33 cm |
 |
In ganz besonderer Weise gilt dies für die
Porträtmalerei. In der künstlerischen Darstellung eines Menschen vermittelt
sich über Zeitgrenzen hinweg in unmittelbarer Weise seine Individualität – so,
wie der Künstler sie gesehen und ausgedeutet hat. Ein Bildnis zeigt nicht
nur die äußere Erscheinung des Porträtierten, also etwa sein
Alter, sein Geschlecht, seine Physiognomie, sondern lässt auch immer etwas über
seine persönliche Lebenssituation, sein Temperament, seine gesellschaftliche
Rolle oder sein Wesen erahnen. Es entsteht ein Raum für die Assoziationen,
Phantasien, Gedanken des Betrachters. Das Bild wird zu einer spannenden Geschichte,
der Porträtierte zu einer lebendigen Person.
Deshalb hat das August Macke Haus im Vorfeld seiner
Ausstellung zur Porträtmalerei
im rheinischen Expressionismus zu einer kreativen Spurensuche eingeladen: Ein
Teil der Texte des begleitenden Ausstellungskataloges ist in Form individueller
Begegnungen entstanden. Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bonn, von
jung bis alt, vom Busfahrer zum Professor, vom Funktionsträger zum Nachbarn
wurden eingeladen, sich mit jeweils einem Porträt der Ausstellung intensiv
zu beschäftigen und aufzuschreiben, was ihnen dazu in den Sinn kommt. Bilder
wurden so neu gesehen – weniger durch die Brille des kunsthistorischen Experten
als vielmehr durch ein menschliches Gegenüber, Entdeckungen wurden gemacht,
spannende Geschichten erzählt. Insgesamt sind es 35 Bildnisse, gemalt von
zwölf Künstlern und Künstlerinnen, die zum Schreiben aufforderten
und 35 Texte von Bonner Bürgern, die ihnen im Katalog gegenüber gestellt
werden.
Kuratorin: Dr. Martina Padberg
Katalog zur Ausstellung: 20.- €. |
 |
|
|
|